HDTV - die Zukunft von IPTV?

Von Achim Brueck, Interactive TV Award - Kommunikation | Tags: , , , , , ,

Der Zuschauer kann sich freuen: Fernseh-Sendungen in hochauflösender Qualität (HDTV) sind auf dem Vormarsch. Weniger erfreulich war zuletzt, dass einige private Sender ihre HD-Aktivitäten aus Kostengründen aussetzten oder ins Internet verlagerten. Die Orientierung für Zuschauer wird damit nicht leichter.

Relativ klar ist dagegen die Richtung aus technischer Sicht. Nach Meinung von  Experten könnte sich HDTV zusammen mit IPTV zum Dreamteam mausern: Denn eine hohe Bildauflösung (HD) beruht auf digitaler Technik und profitiert daher von einer Übertragung über breitbandige Internet-Leitungen.

Wir haben nachgefragt, wie die Zukunft von HD aussehen könnte. Die Antworten stammen von Michael Ortlepp, der als Executive Producer im Bereich Products & Innovation für die Deutsche Telekom die Weiterentwicklung des IPTV-Produkts T-Home Entertain vorantreibt.

English abstracts

HDTV – the future of IPTV?

Viewers have reason to rejoice: shows in high-definition (HDTV) are becoming the rule rather than the exception. Still, some private broadcasters have suspended their HDTV activities or moved them onto the internet. What does the future hold?
We discussed this with Michael Ortlepp who, as the Executive Producer of Products & Innovation at Deutsche Telekom, is pushing the development of the T-Home Entertain IPTV product. Experts like him see HDTV and IPTV as the dream team since, technically, they’re a perfect match. But is that all? There’s plenty more in our interview.

Herr Ortlepp, hat HDTV überhaupt eine Zukunft? Pro7 und SAT.1 haben im Februar ihre HDTV-Kanäle vorläufig eingestellt.

… und die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten starten dieses Jahr ihre Qualitätsoffensive, die Teil eines klaren Zeitplans zur vollständigen Einführung von hochauflösendem Fernsehen ist. Insofern: Definitv, HDTV hat eine glänzende Zukunft auf dem deutschen Markt. Derzeit sind bereits etwa 30 Prozent der TV-Haushalte HD-fähig ausgestattet. Die Zuschauer dort warten auf HD-Inhalte und haben das in Studien wie die des BITKOM deutlich zu Protokoll gegeben. Bis 2010 wird demnach jeder zweite TV-Haushalt HD-fähig sein.

Aber geht der HD-Trend nicht derzeit eher ins Internet? Pro7 hat Ende März angekündigt, verstärkt auf Web-TV zu setzen, wenn es um HD geht. Auf MaxDome sollen HD-Angebote als Video on Demand zum Abruf bereitstehen.

Es ist eher zu erwarten, dass sich mittelfristig Web-TV und IPTV aufeinander zu bewegen. Hochauflösende Angebote werden sicher nicht nur via PC abrufbar bleiben. Gerade wenn es um Unterhaltung geht, wäre das sicher zu unbequem für die Zuschauer. Ich würde daher von einer Konvergenzbewegung beider Formate sprechen. Sowohl Web-TV als auch IPTV werden als hundertprozentig digitale Plattformen starke Impulsgeber für HDTV sein.

Sie haben gerade die Qualitätsoffensive der Öffentlich-Rechtlichen angesprochen. Hier gibt es klare Zeitpläne für HD. Eine große Rolle spielen Mega-Events wie die Fußball-WM 2010 oder Olympia, um HDTV voranzutreiben. Gibt es noch andere schubkräftige Argumente?

Wichtig ist sicher, dass sich die geeigneten Endgeräte verbreiten. Je schneller sich HD-fähige Fernseher als Standard in deutschen Haushalten etablieren, desto eher werden auch die Senderfamilien auf das Thema anspringen. Zudem könnten neben der Selbstverpflichtung der Öffentlich-Rechtlichen politische Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle übernehmen. Die Digitalisierung der Fernsehinhalte ist wichtig, um die Verbreitung von HDTV voranzutreiben. Deutschland ist bereits auf EU-Ebene aktiv, um eine Einführungsfrist vorzubereiten. Danach soll die Ablösung des analogen durch das digitale Fernsehen in Deutschland schon 2010 erfolgen.

Aber sind nicht auch die hohen Kosten für das Equipment bisher ein Hindernis für eine weitere Verbreitung von HDTV? Erkennen Sie bereits einen Trend zu sinkenden Kosten?

Sowohl auf Seiten der Produktion und Distribution als auch beim Konsumenten selbst entstehen zunächst höhere Kosten. Jedoch stehen wir erst am Anfang der Kommerzialisierung von HDTV. Von daher ist zu erwarten, dass die Kosten auf allen Seiten sinken werden, sobald HDTV in eine gewisse Reifephase eintritt. Das ist bei den meisten technischen Innovationen so.

Wir wissen, dass Deutschland bei IPTV-Nutzerzahlen im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Aber auch bei HDTV sind andere Länder weiter, zum Beispiel die USA. Woher kommt deren Vorreiterrolle?

In den Vereinigten Staaten ist wesentlich früher durch Gesetze die Digitalisierung des Fernsehangebotes angestoßen worden. Digitales Fernsehen ist die zentrale Grundbedingung für HDTV.  Hinzu kommt, dass die US-Fernsehnorm NTSC eine deutlich schlechtere Qualität bietet als die europäische PAL-Norm. Der gefühlte Qualitätsvorteil in den USA ist also deutlich größer als in Europa.

Apropos Digitalisierung der Signale: Welche Rolle spielt IPTV Ihrer Meinung nach für die Verbreitung von HDTV?

Da die infrastrukturelle Entwicklung von HDTV grundlegend auf digitalem Fernsehen beruht, sind IPTV und HDTV ein erfolgversprechendes Team. IPTV bietet die besten Voraussetzungen für die optimale Einbindung von Programmen in HD-Qualität. Kabelfernsehen ist zum Beispiel nur zum Teil digitalisiert, während IPTV bereits von Anfang an zu hundert Prozent digital ist.

Wenden wir uns einmal den technischen Details zu. HD ist nicht gleich HD – wo liegen die Unterschiede und welche Rolle spielen sie zukünftig?

Man unterscheidet zwischen zwei marktreifen Standards für HDTV, 720p und 1080i. Ein einheitlicher Standard hat sich zwischen den beiden Varianten noch nicht herauskristallisiert. Kein Format ist dabei besser oder schlechter als das andere, ausschlaggebend ist der Einsatzbereich. So ist 720p für Sportübertragungen geeignet, während sich 1080i für weniger bewegungsintensive Formate besser anbietet wie etwa Spielfilme oder Dokumentationen. In weiterer Zukunft wird sicher auch der bandbreitenintensivere Full-HD-Standard 1080p Marktreife erlangen.

Behindern oder fördern technologische Varianten die Verbreitung?

Natürlich ist es wünschenswert, dass sich so schnell wie möglich ein einheitlicher Standard herausbildet. Verschiedene Standards, die gleichzeitig existieren, verursachen immer höhere Kosten und verunsichern den Verbraucher. Das verzögert wiederum, dass sich neue Technologien etablieren.  Wenn man von einem Krieg der HD-Formate sprechen kann, dann spielt er sich zum Glück nur auf den Offline-/DVD-Märkten ab. Bei Angeboten wie T-Home-Entertain spielt das Format für den Kunden keine Rolle.

Was ist mit der Qualität des Bildes? Gibt es da spezielle Probleme, die bei HDTV auftreten können?

Manche Bild- oder Tonstörungen, die wir aus dem traditionellen Fernsehen kennen,  tauchen auch bei HDTV auf. Ein Beispiel ist der Moiré-Effekt, der oft bei karierter Kleidung zu beobachten ist. Vereinzelt wird es auch einmal Artefakte und kleinere Bildaussetzer geben, wenn die Komponenten der Hardware nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Insgesamt bleiben die Beeinträchtigungen durch solche minimalen Effekte in dem Rahmen, wie sie beim klassischen Fernsehen vorkommen. Dagegen sind es die scharf gestochenen HD-Bilder, die aufgrund der hohen Detailtreue im Gedächtnis bleiben.

Manche behaupten, Fernsehen mit Standard-Auflösung (SD), das hochwertiges Material ausstrahlt, sei geringwertigem HD überlegen.

Nein. SD-Fernsehen erreicht nicht die hohe Auflösung von HDTV.

Welche Rolle für die Qualität spielt das Ausgangsmaterials und die Abtastung?

Die Ursprungsqualität des Bildmaterials spielt natürlich eine große Rolle. HDTV-Signale, die übermittelt werden, sind immer nur maximal so gut wie die Quelle. Ideal ist es deshalb, bereits bei der Produktion der Inhalte auf eine hohe Qualität des Materials zu achten. Andernfalls muss Videomaterial künstlich hochskaliert werden, und dann erreicht es niemals die Qualität, die mit einem hochwertigen Ausgangsmaterials zu erzielen ist.

Pro7HD hat oft höchste Qualität bei Studio-Upscalern eingesetzt. War das zu teuer und daher für die Praxis untauglich?

Beim Upscaling auf Produzentenseite werden zum Beispiel SD-Inhalte nachträglich in ein „near-HD“-Format hochskaliert. Dementsprechend wird eine höhere Bandbreite für die Ausstrahlung vorausgesetzt, was im Endeffekt wieder in höheren Kosten resultiert. Wie gesagt: Die Qualität von HD-Signalen, die von Anfang an qualitativ hochwertig sind, wird dadurch nicht erreicht.

Ist denn semiprofessionelles Upscaling beim Kunden eine Alternative? Momentan scheint auch dieser Weg zu teuer.

Im Endkundenbereich gibt es verschiedenste Wege, um die Bildqualität nachträglich zu realisieren, wie zum Beispiel integrierte Upscaling-Einheiten im Fernsehgerät, der Set-Top-Box oder als externe Geräte. Hier ist es wie vorhin schon gesagt: HD-Signale sind besser, wenn sie hochwertiges Ausgangsmaterial haben.

Was würden Sie Unentschlossenen empfehlen: Worauf müssen sie in Zukunft achten? Welche Trends müssen sie im Auge behalten, wenn sie einmal bei HD einsteigen wollen und sich für Technik oder Anbieter entscheiden müssen?

Die Zukunft der Fernsehwelt ist digital, mit exzellenter Bild- und Tonqualität. Die meisten Haushalte werden ab 2010 über einen „HD ready“ Fernseher verfügen, auch wird das Angebot an HD-Inhalten ab 2010 deutlich wachsen. Wer es gesehen hat, wird mir zustimmen: Die Bildqualität von HD-Fernsehen ist faszinierend. Man sollte also beim Kauf von Fernsehern, aber auch bei der Auswahl der TV-Plattform schon heute auf HD-Tauglichkeit achten. Ich würde sagen, HD ist eine ähnlich bedeutende Innovation für das Fernsehen wie das Farbfernsehen in den 70er Jahren.

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Dieser Beitrag wurde am Freitag, 11. April 2008 um 10:27 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Technologie abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch das RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.

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2 Kommentare (Kommentar schreiben?)

  1. 1. Robert Schlabbach

    Kommentar vom 13. April 2008 um 16:21

    Schade nur, dass die Qualität beim T-Home Entertain-Kunden nicht voll ankommt:

    Von der ARD-Qualitätsoffensive hat der Entertain-Kunde genau GAR NICHTS, weil T-Home nach wie vor an seiner zu niedrig angesetzten CBR von 2,5Mbps festhält.

    Auch die HDTV-Sender, die im “Satelliten-Original” teilweise höhere Bandbreiten als 10Mbps verwenden, werden von der Telekom nur auf 9,22Mbps CBR reduziert an die Kunden geliefert.

    Ich hätte von Herrn Ortlepp gerne mal gehört, wann denn die Deutsche Telekom AG mal gedenkt, ihren Kunden bessere Qualität zu liefern. In den Genuss der von ihm beschriebenen Qualität kommen derzeit jedenfalls nur die Nutzer des kostenlosen Satellitenempfangs, nicht jedoch die Kunden des teuren Entertain-Produkts.

  2. 2. Team Interactive TV Award

    Kommentar vom 23. April 2008 um 16:43

    Guten Tag Herr Schlabbach,

    zunächst einmal Entschuldigung dafür, dass wir auf Ihren Beitrag nicht schneller reagiert haben.

    Das Thema Signalqualität liegt uns sehr am Herzen, aber genau diese Qualität lässt sich auf zwei Wegen besonders schlecht beschreiben. 1. Persönliche Wahrnehmung – “boah ist das ein mieses Bild” und 2. durch den Vergleich von Zahlen. In dem Fall von Datenraten.

    Die Wertung “mieses Bild” basiert u.a. auf den Sehgewohnheiten, der Ästhetik des Films und nicht zu letzt der Zusammenarbeit der Abspieltechnik. BTW: Große Flachbildschirme benötigen zudem Quellensignale in höherer Qualität als „Normalfernseher“ um einen vergleichbaren Eindruck beim Zuschauer zu erzielen.

    Alle drei Faktoren sind vor allem eins - sehr subjektiv und damit zur Beurteilung untauglich. Nun die harten Zahlen: 9,22 Mbps sind zweifelsfrei eine geringere Datenrate als 10 Mbps. Nämlich genau 0.78 Mbps. Bedeutet das aber zwangläufig auch eine schlechtere Qualität? Natürlich nicht, weil die Zahl 10 lediglich die Geschwindigkeit darstellt, aber nichts über die Daten an sich aussagt, die übertragen werden.

    Entertain encodiert seine Inhalte mit dem Codec H.264. Dieser Codec erlaubt im Gegensatz zu MPEG2 eine höhere Qualität bei geringeren Datenraten. Ein ähnlich hinkender Vergleich ist aus dem Audiobereich bekannt. 192 muss nicht zwangsläufig besser klingen als 128. Das Apple-Format m4a ist mp3 qualitativ überlegen und erzielt mit geringerer Datenrate das bessere Ergebnis.

    Voraussetzung bei beiden Formaten ist aber eine einwandfreie Ausgangs-(Audio)-Daten. Und das ist beim Fernsehen nicht anders. Das gesendete Signal kommt im Idealfall der Qualität der Quelldatei sehr nahe. Mit anderen Worten: xxx rein – xxx raus gilt auch hier. Je besser das Quellsignal, desto besser können wir dieses den Entertain-Kunden bereitstellen. Fazit: Wir werden besser.

    Intern bezeichnen wir die ARD-Qualitätsoffensive schlicht als “Transponderumstellung”. Die ARD nutzt Qualitätsoffensive als Vorstufe für die HDTV Einführung. Es ist uns aber durchaus bewusst, dass wir aus qualitativer Sicht keine Quantensprünge erwarten dürfen. Die ARD werden die Datenraten ihrer Signale durchschnittlich auf ca. 5 Mbit/s anheben. Eurosport im Vergleich sendet künftig mit 4,2 Mbit/s. Eine Qualitätsverbesserung ist jedoch erst ab ca. 8 Mbit/s deutlich wahrnehmbar.

    Nun, soviel zum Thema Signalanlieferung. Unsere Encoding Settings im Headend haben wir vorerst nicht verändert; jedoch hilft die “shit-in-shit-out” Sichtweise.

    Viele Grüße, Ihr Team Interactive TV Award

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