Ob mit oder ohne Fernbedienung - ältere Menschen erobern neue Medien Das Abenteuer Lernen geht weiter, jenseits der 40, jenseits der 50 und weit darüber hinaus. Gerade in der Welt der Medien: Neu zu lernen sind Internet, PC, Handy, Digitalfernsehen und auch interaktives Fernsehen. Der schwerste Schritt scheint der zum PC zu sein. Wer den Sprung ins Netz geschafft hat, schafft auch alles andere. Jeder fünfte Deutsche über 60 nutzt das Internet, Tendenz steigend.
English abstract:
IPTV and the “X-Plus Generation”
With or without zapping – elderly people are taking over the new media One in five Germans over 60 use the Internet, and the trend is on the rise. Since IPTV combines television and Internet, it allows analogies to basic online media use. Nevertheless, silver surfers sometimes have difficulties understanding technical terms, and operating problems can crop up as well. Operating instructions and interface design should take this into consideration. There’s also a basic difference between how old you are on the calendar and how old you feel. Working people over 60 are often “younger” than those in their late 40s who don’t have daily contact with colleagues or communicate in many different ways. People who have no contact with computer technology as professionals are less likely to pick up on the latest trends. And as a rule, those with a higher standard of knowledge are more open for developments, even at a higher age.
Das Internet - richtungsweisend für IPTV?
Letztes Jahr schauten Markforscher für ARD und ZDF Älteren über die Schulter, um zu sehen, ob sie vielleicht beim Surfen waren. Sie fanden heraus, dass 67 Prozent der über 60jährigen E-Mails schreiben, 64% zielgerichtet nach bestimmten Angeboten suchen, 27 Prozent sich für Homebanking erwärmen konnten. Allerdings: nur 1 Prozent schaute Online-Videos. Insgesamt werten die Experten: „Das höchste Wachstum wird auch zukünftig von den Älteren ausgehen. Bereits heute sind mit 5,1 Millionen Über-60-Jährigen mehr “Silver Surfer” im Netz als 14- bis 19-Jährige (4,9 Millionen). Nachzulesen in der ARD/ZDF-Onlinestudie 2007.
Aktiv im Alter - oder sogar interaktiv?
Bisher, so sagt die Studie, sind Gelerntes und Erfahrungswerte ausschlaggebend, welches Medium wofür genutzt wird. Je älter die Menschen sind, umso konsequenter gehen sie grundsätzlich damit um. Fernsehzuschauer etwa pflegen eine lange Tradition im Vergleich zu PC, Internet und Handy. Blicken wir zurück in die Fernsehgeschichte, blicken wir in Gemeinschaftsräume. Die Menschen trafen sich, um Sendungen zu schauen, weil sie keinen eigenen Apparat hatten. Heute haben sehr viel mehr Menschen ein eigenes Fernsehgerät. Und trotzdem ist das gemeinsame Erlebnis zurückgekehrt. Heute nennen wir es Public-Viewing. Der Spaß daran ist der gleiche geblieben.
Keine Altersgrenze nach oben
Das neue am IPTV ist, der Nutzer arbeitet mit mehreren Informationsmedien parallel. IPTV kombiniert Fernsehen und Internet. Eine Altersgrenze nach oben gibt es dafür nicht. Jedoch gibt es Schwierigkeiten im Verstehen technischer Begriffe und es gibt Schwierigkeiten bei der Bedienung. Eine Anleitung muss gut verständlich sein und Schritt für Schritt erklären. Die Generation X-Plus hat grundsätzlich mehr Respekt vor hochwertigen technischen Geräten. Sie möchten genau wissen, was sie tun und warum - es könnte ja etwas Unersetzbares kaputt gehen. Die jüngere Zielgruppe klickt sich überall durch, liest wenig und versteht die technischen Begriffe durchschnittlich besser. Hier gibt es einen großen Nachholbedarf für Anbieter, Bedienungen und deren Anleitung generationenübergreifend verständlich zu gestalten.
Technik ist Luxus
Damit wäre die erste Barriere der „Silver Surfer“ überwunden. Die zweite Hürde ist die Startinvestition. Für viele ist es Luxus, für moderne Geräte Geld auszugeben. Aktuell besitzen 13 Prozent der Generation 50+ ein digitales Fernsehgerät. Aus dem Digitalisierungsbericht 2006 der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten geht hervor, dass deutschlandweit derzeit „ etwa 10,7 Millionen Haushalte zumindest ein digitales TV-Empfangsgerät – und damit in der Regel eine digitale Set-Top-Box besitzen. Der überwiegende Teil dieser Haushalte ist voll digitalisiert, nutzt also nur digitalen Empfang. Rund ein Fünftel der digitalen Haushalte besitzen daneben weitere analoge Empfangsgeräte. Diese Zahl ist gegenüber 2005 nahezu stabil geblieben.“
Alter und gefühltes Alter
Wenn in Statistiken mit Altersangaben gearbeitet wird, sind diese vom kalendarischen Alter abgeleitet, nicht vom gefühlten Alter. Menschen über 60, die im Arbeitsleben stehen, sind oft „jünger“ als Menschen Ende 40, die nicht täglich Kontakt zu Kollegen haben und nicht täglich auf vielfältige Art und Weise kommunizieren. Wer beruflich niemals mit Computertechnik zu tun hatte, wird weniger intensiv die neuesten Trends verfolgen. Menschen mit höherem Bildungsgrad werden durchschnittlich auch im hohen Alter aufgeschlossener für jede Entwicklung sein. Und doch gibt es charakterliche Besonderheiten, die Wissenschaftler in der Schweiz zu einer interessanten Typeinteilung kommen ließen.
Die Medientypen in der Schweiz
Die Traditionellen, Die Medienabstinenten, Die New-Media-Fokussierten, Die Multimedialen. Die Medientypen hat die Publica Data AG auch filmisch portraitiert. Lernen Sie in 9:30 min. die unterschiedlichen Gewohnheiten und Beweggründe der Nutzer kennen.
Im Schweizer “electronic media report 04/07″ wird festgestellt: „Die Grenzen zwischen den Medien verschwimmen mit der fortschreitenden Digitalisierung genauso wie die Grenzen zwischen Massen- und Individualkommunikation.“ Das ist sicher international vergleichbar und es ist ein Prozess, indem das Alter nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wesentlicher sind die Chancen und Möglichkeiten der neuen Technologie. Möglicherweise ist sie ja bald selbst erklärend?
1.- Rolf Hemmerling
Kommentar vom 06. Juli 2008 um 07:52
Digitale Empfangsgeräte, wenn sie nicht “mehr” Funktionalität als analoge Empfangsgeräte aufweisen oder gar nur “Ersatz” für analoge Geräte sind,
wie z.B. DVBT-Receiver in DVBT-zwangsbeglückten Ballungszentren in Berlin und Westdeutschland,
sind kein Beweis für Fortschrittlichkeit.
Schon der analoge Videorecorder der 1980er Jahre überforderte die damals 30-40 jährigen, bei der Technik- und Computer-Generation sah’s natürlich anders aus.
Die damals 30-40 jährigen sind heute 30 jahre älter, also genau die SilverSurfer Generation.
Gottbewahre denen ein “kompliziertes” Telephon oder IPTV-Gerät zuzumuten… das “mehr kann, aber auch mehr (monatlich oder in der Anschaffung) kostet….
Die häufig (unter Windows ) belächelten Einrichtungs-und Konfigurations-Agenten sind hier zwingend notwendig fürs Publikum …
Grüße
Rolf