Kann das Fernsehprogrammheilen helfen? Das klingt nach Zaubershow und Hokuspokus, ist es aber nicht. Es gibt schon erste IPTV-Projekte, die ganz seriös Patienten unterstützen. Wir haben vorletzte Woche auf der Hannover-Messe eines kennen gelernt. Dort steht die allgemeine medizinische Betreuung für Senioren über den Fernseher im Mittelpunkt. Ein anderes Beispiel ist unser konzerneigenes T-City-Projekt in Friedrichshafen. Dieses konzentriert sich speziell auf Herzpatienten.
English abstract
Take three times daily: Medicine from the TVCan a television program heal? According to government statistics, more than 10 million chronically ill people live in Germany. Both of the projects below prove that there are IPTV projects than can actually help patients and maybe relieve some of the pressure on the country´s health insurers.
Project 1: For the past six months, the “Motiva” T-City project in Friedrichshafen has connected chronic cardiac patients with their doctors. Patients use their television and a set-top box as well as electronic equipment such as scales and blood-pressure gauges. The equipment collects and transmits information about the patients´ health. Without the monitoring equipment, the patients would have to be cared for in hospital.Project 2: Silver Active Life is primarily for older people. The commercial research project was presented at the Hanover convention. Older people in this project keep in contact with their doctors through their TVs and can watch videos that address their symptoms. The exhibitor said that the technology could reduce the number of emergency responses in situations such as the recent heat wave in France. Interactive TV could show a picture of a big water glass to remind viewers to drink plenty of water. IPTV can do more than just entertain.
Summieren wir die Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt, leben mehr als 10 Millionen chronisch kranke Menschen in Deutschland. Sie benötigen nicht nur regelmäßig Medizin sondern auch Betreuung. Hören wir dazu die Berichte über unsere leeren Gesundheitskassen, klingen Informationen über Möglichkeiten, die Kosten zu senken, natürlich doppelt gut, für Patienten und für Ärzte.
Moderne Technikmotiviert
Unser T-City-Projekt “Motiva” in Friedrichshafen vernetzt seit einem halben Jahr chronisch kranke Herzpatienten mit ihrem Arzt im medizinischen Zentrum. Der Patient nutzt dafür seinen Fernseher, eine Set-Top-Box sowie elektronische Geräte, wie Waage und Blutdruckmessgerät. Persönliche Herzkreislaufwerte werden gemessen und übertragen. Die Geräte sind einfach zu bedienen, und zusätzlich bekommt der Patient auch Lehrfilme und Übungen angeboten, die zu seinem individuellen Krankheitsbild passen. Diese Informationen kann er abrufen, indem er nur einen zusätzlichen Knopf auf der Fernbedienung drückt. Dieses Telemedizinische System heißt “Motiva”. Vielleicht wurde die Namensgebung davon inspiriert, da das eigenverantwortliche Handeln den Patienten motiviert. Er darf zu Hause bleiben, genießt seine bekannte Umgebung, muss sich viel weniger einschränken als im Krankenhaus und lebt dadurch optimistischer. Denn ohne dieses Überwachungssystem müsste der Patient im Krankenhaus betreut werden.
Silver Surfer fassen Vertrauen
An ältere Menschen generell richtet sich das auf der Messe entdeckte Projekt “Silver Active Life“. Wir konnten uns davon überzeugen, dass dieses kommerzielle Forschungsprojekt auch ein Beispiel dafür ist, dass IPTV-Lösungen das Potenzial haben, kostengünstig Beratung und Informationen anzubieten. Sie nutzen mit dem Fernseher das favorisierte Kommunikationsmittel der älteren Generation und kombinieren es mit individualisierten Angeboten. Der Kontakt zum Mediziner geht dabei nicht verloren. Alle Partner sind vernetzt und der Arzt kann bei akuten Grenzwerten sofort einschreiten. Je nach Diagnose wird dann dem Patienten ein entsprechendes Programm per Knopfdruck angeboten. Der Aussteller erwähnte im Gespräch die langen Hitzeperioden in Frankreich. Dort, so meinte er, könne die Zahl der Notfälle reduziert werden. Das interaktive Fernsehen übermittelt das Bild eines großen Wasserglases. Es erinnert die besonders gefährdeten älteren Menschen daran, dass sie viel trinken sollen. Dazu kommen Videos mit Übungen zum Vorbeugen eines Herzinfarktes, Diäthinweise oder Entspannungsübungen gegen Rückenschmerzen. Die Palette ist breit gefächert und abhängig von den Diagnosewerten.
In unserem Blogbeitrag Generation X-Plus hatten wir einige Besonderheiten der Silver Surfer ja schon angesprochen. Das große Thema Gesundheit wird mit zunehmendem Alter immer wichtiger. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, kombiniert mit einem stetig steigenden Kostendruck auf das Gesundheitswesen allgemein, gilt es, langfristig Betreuungskosten zu senken. Gleichzeitig soll der der Patient jedoch keine Nachteile haben.
IPTV - nur interessant für die Freizeitgestaltung? Unser Fazit: Nein. Die Beispiele zeigen, da steckt deutlich mehr drin.
Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 08. Mai 2008 um 08:45 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Produkt, User abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch das RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.
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