Am 1. Mai gab einen mittleren Erdrutsch in der Landschaft des Online-Entertainment. Der iTunes Store bietet ab sofort Filme zeitgleich zum DVD-Start an. Während die Musikindustrie sich aber vom Kopierschutz langsam verabschiedet, haben alle iTunes-Filme die Sicherung durch Digital Rights Management (DRM). Da stellt sich doch für uns die Frage: Muss das sein – und was bedeutet das für den Kopierschutz im Fernsehen der Zukunft?
Bei iTunes sind alle Brachengrößen mit im Boot: Twenties Century Fox, Walt Disney Studios, Warner Bros., Paramount, Universal, Sony Pictures. Zwar vorerst nur in den USA, aber das wird nicht so bleiben, wenn man die Entwicklung des iTunes Music Stores anschaut. Im Moment bietet die Apple-Plattform 1.500 DVD-Titel zur Auswahl. 200 davon im HD-Format.
Umdenken auch für Filme?
Steve Jobs hatte in seinen thoughts on music im vergangenen Jahr zum Umdenken aufgefordert und die ‚Big 4‘ unter den Musikkonzernen, nämlich EMI, Universal, Sony BMG und Warner, haben eingelenkt. Der iTunes-Store, Branchenprimus unter den digitalen Musikanbietern, bietet als iTunes Plus zu einem Aufpreis nun die Audio-Titel DRM-frei an. Der Kunde kann damit machen, was er will. Für die Hollywood-Studios ist diese Haltung allerdings bisher noch inakzeptabel.
Abspielen oder sterben
Wäre aber dieser Schritt nicht auch für den Vertrieb von Filmen und Serien sinnvoll? Wir denken: Momentan sicher nicht. Auch wenn es angesichts der Lockerung der Haltung im Mu-sikgeschäft unlogisch klingt: Cobra 11 muss geschützt werden. DSDS auch. So denken vermutlich die Produzenten der Filme und Serien, aber auch der ganze Tross kreativer Mitarbeiter, die beim Entstehen mitwirken. Hinter der Produktion eines Hollywood-Blockbusters, aber auch der im Vergleich dazu relativ kleinen europäischen Produktionen, stehen enorme Budgets. Und die müssen wieder eingespielt werden. Spielfilme haben eine weit höhere Werthaltigkeit als Musikprodukte. Alle Filme, Serien und Dokus brauchen Absicherung, um weiterzuleben. Für sie ist das „Abspielen“ die Hauptverwertung.
Sicher, da sind noch Merchandising und einige wenige Live-Events. Diese Einnahmequellen sind aber nicht vergleichbar mit denen der Musiker. Diese verdienen nämlich mittlerweile hauptsächlich an der Live-Präsentation und weiterer Vermarktung ihrer Kunst in diversen Kanälen. Ein Grund, weshalb Madonna ihre Plattenfirma Warner nach 20 Jahren verlassen und für 120 Millionen US-Dollar beim Konzertveranstalter Live Nation unterschrieben hat.
Investitionen in Millionenhöhe
Das ist aber nur ein Argument, warum DRM im Film-Vertrieb notwendig ist. Anders als beim Format MP3 setzt die Versendung von Bewegtbild zum Beispiel via IPTV eine technische Infrastruktur voraus, um die vom Nutzer erwartete Performance, die so genannte Quality of Service, gewährleisten zu können. Das erfordert Investitionen in Millionenhöhe. Ein weiterer Mehrnutzen des „neuen Fernsehens“ sind die zusätzlichen Eigenschaften der Dialogfähigkeit von IPTV und Abstimmen des Angebots auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Zuschauers. Wann schaue ich mir welche Sendung an, und welche Zusatzinfos sind mir wichtig? Daher ist unsere Meinung klar: Diese Infrastruktur und der Mehrnutzen wollen finanziert werden.
Aber was denken Sie über das Thema? Vielleicht haben Sie neue Ideen?
Brauchen Filme und die IPTV-Infrastruktur die Einnahmen aus dem Kopierschutz?
Sind andere Konzepte denkbar, um Investitionen gegen zu finanzieren?
Was ist wünschenswert – was machbar?
Dieser Beitrag wurde am Freitag, 16. Mai 2008 um 08:21 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Recht, Technologie abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch das RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.
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