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Zwei Technologien, zwei Erlebnisse vom Fernsehen: IPTV und Web-TV im Vergleich (Folge 1)

Von Achim Brueck, Interactive TV Award - Kommunikation | Die Funktion ist deaktiviert.

Ein Gespräch mit Experten - Folge 1: Technik und Konzeption

IPTV knüpft an ans Fernsehen wie wir es kennen: Simpel zu bedienen, bequem auf der Couch, Entspannung und Gediegenheit pur. Web-TV hingegen war lange etwas für Freaks: Videos bei YouTube durchkämmen, nach Wiederholungen und Geheimtipps auf den Auftritten der Sender stöbern, jedenfalls immer sehr aktiv. Viele sagen eine Verschmelzung beider Fernseh-Technologien voraus, dochwichtige Entwicklungen sind noch im Flusse und nichts ist ausgemacht. Was meinen die Fachleute dazu?

Wir habenExperten gefragt …

Gert von Manteuffel, Bereichsleiter IPTV Deutsche Telekom
Zum Gespräch eingeladen haben wir Gert von Manteuffel, seines Zeichens Bereichsleiter IPTV bei der Deutschen Telekom. Mit
T-Home Entertainvertritt er das führende IPTV-Produkt auf dem deutschen Markt.

Peter Otto, Media & E-Entertainment Services, T-Systems Multimedia Solutions

Mit ihm diskutierte Peter Otto, verantwortlich für Media-Dienstleistungen und E-Entertainment beim Geschäftsbereich Multimedia Solutions der T-Systems. Zentral dabei sind Streaming-Services.Sie bilden die Grundlage für Video- und Audio-Angebote, die über Webseiten abgerufen werden.

English abstract

Two technologies, two television experiences: IPTV and Web TV in comparison
Episode 1: Technology and conception

Excerpts from a discussion between experts:

Gert von Manteuffel, Senior Manager for IPTV at Deutsche Telekom

Peter Otto, responsible for Media & E-Entertainment services at T-Systems Multimedia Solutions.

Was genau heißt eigentlich -

Viel ist über IPTVund Web-TV gesagt worden, nicht immer besteht Einigkeit, worüber man redet. Hier daher noch einmal unsere Sichtweise:

Web-TV ist PC-Nutzern vor allem durch die großen Video-Portale wie YouTube und Sevenload bekannt. Auch bieten inzwischen etliche Fernsehsender Teile ihres Programms zum Anschauen auf ihren Webseiten an. Weiterhin gibt es mittlerweile viele Nischenanbieter die Bewegtbildinhalte über ihre Seiten anbieten sowie auch andere Industrieunternehmen wie zum Beispiel aus der Automobilbranche, die dieses Medium zu Kommunikationszwecken nutzen.

IPTV kommt, genauso wie Web-TV, über Internet-Leitungen. Allerdings landen die Signale über Set-Top-Boxen direkt auf dem Fernseher, während WetbTV derzeit noch überwiegend mit dem PC konsumiert wird. Die Qualität von IPTV-Angeboten wie T-Home Entertain zeichnet sich zum einen durch eine hohe Bitrateaus, die einer besseren Bildqualität zugute kommt. Zum anderen ist die Verfügbarkeit im Normalfall besser als bei Web-TV, da IPTV-Angebote in geschlossen Netzen operieren und dadurch die hohen Bandbreiten optimal genutzt werden.

Bei beiden technologischen Formaten sind sowohl Video-Abruf-Angebote, also Video on Demand, als auch der Empfang von Live-Sendungen oder anderen Programmen möglich.

Das Interview, Folge 1: Technik und Konzeption

Wenn Sie nur einen kurzen Satz hätten: Was ist für Sie persönlich der entscheidende Unterschied zwischen Web-TV und IPTV?

Peter Otto: Web-TV hat einen offenen und für jeden Nutzer erreichbaren Zugang und bietet im Internet jede Möglichkeit, die individuellen Geschäftsmodelle eines Anbieters abzubilden.

Gert von Manteuffel: IPTV hat die bessere Qualität und ist daher bis dato die einzige wirkliche IP-basierte Alternative zu den klassischen Übertragungswegen wie Satellit, Kabel oder Terrestrik.

Jenseits der Gruppe von Technik-Interessierten können nur wenige Menschen bisher Web-TV und IPTV wirklich auseinanderhalten. Wie ist Ihrer Einschätzung nach die Voraussage von Experten zu verstehen, dass IPTV und Web-TV in der Zukunft verschmelzen werden?

Peter Otto: Ich sehe zwei Aspekte. Erstens: Die Qualität in der Darstellung und Übertragung von Videoinhalten im Web-TV hat den TV-Standard erreicht und verbessert sich weiter. High Definition Formate (HDTV) lassen sich bereits in gut nutzbaren Datenvolumina verlustfrei und in bester Qualität übertragen. Mit einem T-DSL Anschluss von etwa 2 Mbit/s kann man im Web-TV schon richtig Spaß haben.

Zweitens: Auf einer abstrakten Ebene sind die Zugänge zu beiden Angeboten gleich. Web-TV nutzt den PC oder Laptop mit DSL-Anschluss, IPTV die Set-Top-Boxmit DSL-Anschluss. Der Unterschied ist kaum noch sichtbar, wenn man die Set-Top-Box als einen rudimentären PC betrachtet, den man bequem auf der Couch, also nach dem “lean back“-Prinzipbedienen kann. Alternativ kann auch der Laptop die Funktion einer Set-Top Box erfüllen, bietet funktional jedoch die volle Bandbreite eines Computers.

Gert von Manteuffel: Sicherlich werden sich beide Bereiche aufeinander zu bewegen, so dass der Unterschied eines Tages nur noch gering sein wird. Ich bin aber davon überzeugt, dass es immer Inhalte geben wird , insbesondere Live-Inhalte wie Fußball-Spiele oder Konzerte, an die höchste qualitative Ansprüche gestellt werden, die mit Web-TV einfach nicht zu gewährleisten sind.

Darüber hinaus gilt die Argumentation von Herrn Otto bezüglich der Hardware aus meiner Perspektive umgekehrt mindestens genau so. Es gibt eigentlich keinen technischen Grund, warum nicht auch auf einer Set-Top-Box Web-TV Inhalte angeboten werden sollen. Derzeit sprechen da eher funktionale Aspekte - Stichwort Meta-Informationenund Suchfunktionen bei Videoportalen - dagegen. Aufgrund der hohen Content-Schutz-Anforderungen der Inhalte-Anbieter, insbesondere im Pay-TV-Bereich, ist die Set-Top-Box sogar fast dem PC vorzuziehen.

Viele Ansätze von Web-TV sind heute sehr erfolgreich, man denke an YouTube oder Apple TV. Hat IPTV eine Chance, sich dagegen durchzusetzen? Oder werden bisherige Web-TV-Inhalte über IPTV eine neue Verbreitung finden?

Peter Otto: IPTV setzt mit dem geschlossenen IP-Netz auf einen eigenen Distributionskanal, während Web-TV deutlich flexibler nutzbar ist. Der Nutzer wird entscheiden, wann und wo er seine TV-Contents konsumieren will. Mit Web-TV ist das an jedem Ort möglich - einzige Einschränkung bildet hierbei die nationale Begrenzung in den Ausspiel-Territorien, wenn der Web-TV Anbieter nicht die entsprechenden Vermarktungsrechte erworben hat. Mit Web-TV wird das Fernsehen mobil, unabhängig und interaktiv. Die Nutzer können sich selbst einbringen und bei Portalen, wie YouTube eigene Contents uploaden oder auf Beiträge und Sendungen von Anbietern zugreifen, die im IPTV nicht verfügbar sind.

Gert von Manteuffel: Meiner Meinung nach kann man Apple TV nicht gleichsetzen mit Web-TV. Das ist fast noch mal ein eigener Ansatz, da sie ja ziemlich unabhängig vom normalen PC- und Browser-Angebot und dessen Funktionalität agieren und ihrerseits auch eine eigene Hardware anbieten, mit der man den Rechner umgehen kann. Aber bis dato werden dort keine linearen Inhalte der großen TV-Sender angeboten, ohne die ein Massenmarktfähigkeit mittelfristig nicht zu erreichen ist.

Angenommen, beide Welten existieren eher getrennt von einander weiter: Gibt es dennoch Mischformen zwischen IPTV und Web-TV, die Erfolge versprechen?

Peter Otto:Nein.

Gert von Manteuffel: Da muss auch ich vehement widersprechen. Wie schon skizziert, wird es immer Inhalte geben, die eine hohe Qualität benötigen. Auf der anderen Seite kann man vielleicht mal ein bisschen Buffering bei dem ein oder anderenLongtail-Contentakzeptieren. Und das ist auf einer Set-Top-Box auch zu realisieren. Am Ende ist es dem Kunden egal, wie die Technologie funktioniert, Hauptsache er kann alle Bedürfnisse über eine intelligente Oberfläche befriedigen.

Inwiefern spielt der Entwicklungsstand der Endgeräte und Netze eine Rolle für die Verbreitung von Web-TV und IPTV?

Gert von Manteuffel: Der Erfolg von Web-TV wird sicherlich auch stark davon abhängen, wie sich die Traffic-Ströme grundsätzlich im Netz entwickeln. Sollten diese sich weiter so rasant entwickeln wie bisher und wird nicht dementsprechend entgegengesteuert, wird dies Einfluss auf die Qualität von Web-TV und somit auch auf dessen Erfolg haben.

Peter Otto: In der Entwicklung der Endgeräte zu TV-Sets kann dies für das Web-TV einen deutlichen Schritt in der Verbreitung bedeuten. Wird ein TV-Gerät mit einem DSL-Modem ausgerüstet, kann der Nutzer direkt im Internet surfen, bequem von der Couch aus. Moderne TV-Geräte bieten heute schon entsprechende Anschlüsse für PC oder Laptop, die heutigen Bedien-Paradigmen ermöglichen jedoch noch keinen bequemen lean-back Modus.

Wo liegen die größten Chancen und wo die größten Herausforderungen für beide Formen von Fernsehen?

Peter Otto: Das Web-TV wird weiter wachsen und die Zahl der Anbieter von interessantem Content wird zunehmen. Der Trend in der Entwicklung der Kommunikation im Internet zeigt, dass immer mehr Websites von einem “.de”-Konzept zu einem “.tv”-Konzept migriert werden. Firmen entdecken die fantastischen Möglichkeiten, mit den eigenen Kunden und Verbrauchern zu kommunizieren und bieten zunehmend aktive Rückkanäle für ihre Nutzer an. Der Zuschauer wird zu einem aktiven Gestalter und Programmdirektor. Er wird seine Wahl entsprechend seiner Wünsche, Gefühle und Interessen treffen.

Gert von Manteuffel: Für uns liegt die größte Herausforderung darin, die Web-TV Komponenten intelligent in unser IPTV-Angebot zu integrieren. Das hat jedoch eher funktionale als rein technische Aspekte.

Vermarktung, Geschäft und Nutzer - Folge 2 des Expertengesprächs am 9. Juni hier

Integration und Verschmelzung scheinen also die Schlagworte für die Zukunft sein. Aber nicht nur die Frage der Technik und die Gestaltung der Anwendungen für IPTV und Web-TV sind interessant. Auch die Vermarktung, mögliche Geschäftsmodelle und das Nutzerverhalten werfen Fragen auf. Dazu am 9. Juni mehr in der Fortsetzung unseres Expertengesprächs auf diesem Blog.

English abstract

Two technologies, two television experiences: IPTV and Web TV in comparison
Episode 1: Technology and conception

Excerpts from a discussion between experts:

Gert von Manteuffel, Senior Manager for IPTV at Deutsche Telekom

Peter Otto, responsible for Media & E-Entertainment services at T-Systems Multimedia Solutions.

Over and above the group of technology fans, few people can really distinguish between Web TV and IPTV. How should we understand the claim by experts that in future IPTV and Web TV will merge?

Peter Otto: For me there are two aspects. First, presentation and transmission quality of video contents in Web TV has reached the TV standard, and keeps on improving. Even now, high definition formats (HDTV) can be transmitted in perfectly acceptable data volumes without loss and in the best quality. With a T-DSL connection of around 2 Mbit/s you can really have a great time with Web TV.
Secondly, on an abstract level, access for both offers is the same. Web TV uses a computer or laptop with a DSL connection, IPTV uses a set-top box with a DSL connection. You can hardly tell the difference any more, if you see the set-top box as a rudimentary PC that you can use comfortably on the couch according to the “lean back” principle. Alternatively, a laptop fulfils the function of the set-top box while offering the functional scope of a computer.

Gert von Manteuffel: Certainly both areas will converge, so that differences will one day only be very minor. Nevertheless I’m convinced there will always be contents - particularly live events like football games or concerts - on which the highest qualitative demands are placed. And these simply cannot be guaranteed by Web TV.
In addition, I feel Mr. Otto’s comments about hardware are at least as valid when turned around. In fact there is no technical reason why Web TV contents shouldn’t be also used on a set-top box. At present, rather functional aspects having to do with metadata and search functions for video portals tend to speak against this. But as far as the high content protection requirements of content providers are concerned, especially in the pay-TV area, you could almost say the set-top box has the cutting edge over the PC.

Today many Web TV applications are very successful, just think of YouTube or Apple TV. Can IPTV compete here? Or will previous Web TV contents be redisseminated over IPTV?

Peter Otto: With the closed IP network, IPTV is banking on its own distribution channel, while Web TV can clearly be used more flexibly. Users will decide when and where they want to consume TV contents. That’s possible everywhere with Web TV. National borders are the sole limitation, if the Web TV provider hasn’t acquired the necessary marketing rights. With Web TV, television becomes mobile, independent and interactive. Users can take part themselves and upload their contents on portals like Youtube, or access programmes from providers that are not available on IPTV.

Gert von Manteuffel: In my opinion Apple TV can’t be put on a par with Web TV. It’s practically a separate approach, because it acts relatively independently of the normal offer for PCs and browsers. And it offers separate hardware allowing it to bypass the computer. But until today it offers no linear contents from the major TV stations, which makes a mass-market approach unrealistic on the medium term.

What role does the state of development of networks and end user devices play in the spread of Web TV and IPTV?

Gert von Manteuffel: The success of Web TV will certainly also strongly depend on how traffic flows develop on the Internet. Should these continue developing as quickly as they have done, and if something is not done to counteract them, it will influence the quality and success of Web TV.

Peter Otto: As end user devices develop into TV sets, this can mean a big step in spreading Web TV. If a TV set is equipped with a DSL modem, users can surf directly on the Internet, sitting comfortably on the couch. Nowadays modern TV sets offer corresponding connections for PCs or laptops. However today’s operating paradigms still don’t allow a comfortable lean-back mode.

Where does the biggest potential lie, and what are the greatest challenges facing both forms of television?

Peter Otto: Web TV will continue to grow, and the number of providers of interesting contents will increase as well. The development trend of communication over the Internet shows that more and more websites will migrate from a “.de” or “.com” concept to “.tv”. Firms are discovering the fantastic possibilities of communicating with customers and consumers, and offer their users increasingly attractive feedback channels. Viewers are actively becoming designers and programme directors. And they will decide according to their wishes, feelings and interests.

Gert von Manteuffel: The major challenge for us lies in intelligently integrating Web TV components into our IPTV offer. But that involves functional more than purely technical aspects.

Dieser Beitrag wurde am Montag, 02. Juni 2008 um 12:30 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Medienwelt, Technologie abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch das RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.

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