Meinem Eindruck nach schreitet zuletzt eine Verschmelzung des traditionellen Fernsehens und des WebTV immer weiter voran und jetzt habe ich auch den Beweis: Die aktuellen TNS Convergence Monitor 2008 Studie (mit 1.575 Probanden) bestätigt mir meinen Eindruck. War bis vor kurzem noch eine klare Trennung zwischen beiden Medien zu erkennen, so werden intensive Internetnutzer immer mehr zu Fernsehzuschauern und umgekehrt. Knapp 70 Prozent der mindestens 2-stündigen Internetnutzer sitzen nun auch mindestens 2 Stunden am Tag vor der guten alten Glotze. Maßgeblich natürlich in der Altersklasse von 14 bis 64 Jahren.
Während Video on Demand Angebote immer noch weitestgehend ignoriert werden (abgesehen mal von ganzen 4 Prozent-.), erfreuen sich besonders Nachrichten, Videoclips und Webradios allgemeiner Beliebtheit. Nachrichten und andere Informationen werden von 48 Prozent im Internet gelesen: Ein Dank an die Mittagspause im Büro!?
Videos, Video-Podcasts und Clips werden von 27 Prozent genutzt und 15 Prozent hören sogar noch das gute alte Radio, wenn auch im Netz. Laut der Studie ist trotz allem die schöne alte Flimmerkiste immer noch des Deutschen liebstes Kind in Sachen Endgeräte; unabhängig davon, ob die Programme über die Set-Top-Box des Fernsehers laufen oder aus dem Netz angefordert werden. Digitaler Empfang ist das Stichwort-.
Und was ist mit IPTV (die Frage interessiert uns doch am dringendsten!)? Das nutzen bis dato ca. 200.000 - 300.000 Haushalte. Um es noch relativer darzustellen: lediglich 0,6 Prozent. Doch Hoffnung besteht, 7 Prozent aller Befragten zeigen Interesse am Fernsehen der Zukunft. Der gute Rest, ich würde mal sagen (mmh-.) rund 93 Prozent wissen einfach nichts über IPTV und dessen neuartigen Nutzungsmöglichkeiten. Sie scheuen größtenteils die Mehrkosten, denn sie wissen ja, was sie am guten alten Flimmerkasten haben! Und doch: Die TNS Convergence Group erkennt als realistisches Potenzial bis Ende 2009 eine Nutzungsabdeckung in Deutschland bis hin zu drei Prozent. Das lässt doch hoffen; auch für die NOCH beschränkten Zugangsmöglichkeiten.
Diese Entwicklung bestätigt sich auch durch die steigenden Zahlen der Nutzung von “Tripel Play”-Angeboten. Bis dato bevorzugen schon drei Prozent der Altersgruppe der 14- bis 64-jährigen die Komplettangebote aus Fernsehen, Telefon und Internet-Anschluss - mit steigender Tendenz. Schon jetzt zeigen weitere 14 Prozent ihr Interesse bzw. sogar 35 Prozent empfinden dieses Angebot als vollständige Erfüllung ihrer Bedürfnisse hinsichtlich Fernsehen, Internet und Telefon. Besonders die Telefon-Flatrate für die Damen, die verliebten Jugendlichen, die einsamen Herzen-..
Diese Studie lässt weiter offen, ob IPTV oder WebTV? Da Angebote des Web-TV in der Regel kostenlos bzw. preisgünstig sind, droht den teureren IPTV-Plattformen schlicht, dass sie umgangen werden könnten in Zukunft. Sollte dies schon der Anfang vom Ende der IPTV-Plattformen sein? Oder: Haben die Telekommunikationsunternehmen sich sogar verrechnet? Konkurrenz statt Konvergenz? Eigentlich nicht! Denn noch spalten sich die Zuschauer in zwei Gruppen. Die Gruppe, die die Lean Backward-Haltung einnimmt, will sich einfach nur berieseln lassen und nicht aktiv werden: Das sind die Nutzer der guten alten Flimmerkiste, und sie wollen das auch bleiben. Während die Gruppe der Lean Forward auch weiterhin die Interaktivität und zusätzliche Inhalte sucht.
Deshalb, so glaube ich, kann davon ausgegangen werden, dass die übliche Form der WebTV-Nutzung und der Fernseher-Nutzung auch in naher Zukunft weitestgehend in dieser Form Bestand hat. Das Fernsehen wird mit IPTV langsam interaktiver, ohne den Zuschauer in seiner passiven Haltung zu verschrecken. In Bezug auf WebTV nimmt das Internet passive Züge an, baut aber auch seine Interaktivität aus. Es scheint also: IPTV und WebTV ergänzen sich doch!
Dieser Beitrag wurde am Freitag, 19. September 2008 um 09:09 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie User abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch das RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.
Du musst dich einloggen, um kommentieren zu können.
1.- Arne
Kommentar vom 21. November 2008 um 16:13
Warum bietet T-Online nicht jedem neuen Kunden kostenlos eine Box zum DSL dazu mit der man Web-TV auf dem heimischen TV Gerät gucken kann?
Ihr habt doch auch eine grosse Plattform mit Video Content und im TV ist man Werbung gewohnt, die würde in den Web-TV Inhalten also auch nicht mehr stören als sonst auch.
Als Option könnte mit den Boxen dann zusätzlich und jederzeit zum kostenpflichtigen erweitern IPTV möglichen sein.
2.- Ulrich Brünger, Projektleiter Interactive TV Award
Kommentar vom 02. Dezember 2008 um 10:48
Hallo Arne,
Entschuldigung für die verzögerte Antwort.
Das Konzept, das Sie ansprechen, finden wir auch sehr interessant und das Produktmanagement hat dazu sicherlich auch seine eigene Perspektive.
Aus wettbewerbstaktischen Gründen kann ich dazu leider nicht in aller Breite eingehen
- aber es sei an dieser Stelle so viel gesagt: die Idee ist natürlich grundsätzlich charmant, jedem Kunden eine Box zur Verfügung zu stellen, damit die Web-TV Nutzung ermöglicht wird. Allerdings sind solche Boxen ja auch nicht ganz günstig und es muss sich daraus auch ein Business Case rechnen lassen.
Im Übrigen ist es ja alles andere als ausgeschlossen, auch mit den von T-Home Entertain eingesetzten Boxen, die Dienste in Richtung Web TV auszudehnen.
Viele Grüsse,
Ulrich Brünger