Meinem Eindruck nach schreitet zuletzt eine Verschmelzung des traditionellen Fernsehens und des WebTV immer weiter voran und jetzt habe ich auch den Beweis: Die aktuellen TNS Convergence Monitor 2008 Studie (mit 1.575 Probanden) bestätigt mir meinen Eindruck. War bis vor kurzem noch eine klare Trennung zwischen beiden Medien zu erkennen, so werden intensive Internetnutzer immer mehr zu Fernsehzuschauern und umgekehrt. Knapp 70 Prozent der mindestens 2-stündigen Internetnutzer sitzen nun auch mindestens 2 Stunden am Tag vor der guten alten Glotze. Maßgeblich natürlich in der Altersklasse von 14 bis 64 Jahren. (weiterlesen…)
Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, Angebote im Internet, Diskussionsbeiträge - alle sprechen von IPTV. Aber meinen sie auch wirklich IPTV? Wo liegt der Unterschied und wie viel IPTV ist drin in den Mogelpackungen?
IPTV ist die neue Technologie, die - auf einem Internetprotokoll basierend - Fernsehen und sogenannte Mehrwertdienste zu den Menschen bringt. Dazu gehören Filme auf Abruf (Video on Demand oder kurz VoD), die elektronische Programmzeitschrift (EPG), der Personal Videorecorder (PVR), interaktive Applikationen und vieles mehr. Der systemimmanente Rückkanal des neuen Übertragungswegs und die Verknüpfung mit der Internet-Technologie eröffnen spannende Möglichkeiten und innovative Dienste. Das “mehr” besteht aber auch in einer erstklassigen Qualität. Netzwerk- und IPTV-Gesamtsystem erfüllen spezielle Anforderungen an die Dienstgüte (Quality of Service). Dadurch wird sichergestellt, dass das TV-Programm und VoD Streams flüssig und ohne Störungen abgespielt werden. Der Zuschauer ist per Set-Top-Box mit der Dienste-Plattform des Anbieters über ein virtuelles Netzwerk (VLAN) verbunden. Spezielle Technologien ermöglichen außerdem das superschnelle Umschalten zwischen TV-Kanälen und das Vor- und Zurückspulen im VoD-Stream, was per se bei Streaming nicht möglich wäre.
Brainpool zeigt mit seinem Format Ulmen.TV, dass das Internet tatsächlich eine ernst zunehmende Alternative zum bisherigen Fernsehen sein kann. Tausende von Zuschauern haben bis dato die Clips zu Ulmen´s Fremdschäm-Sendung “Mein neuer Freund” auf mayspass.de gesehen. Zu wenig fürs klassische Fernsehen - gar nicht so schlecht fürs Netz.
Bei Pro7 wurde das Format “Mein neuer Freund” bereits nach einer Folge abgesetzt bzw. aufgrund der heftigen Proteste einer nicht allzu kleinen Fangemeinde ins Nachtprogramm verbannt. Jetzt im Netz bleibt sich das Format selber treu: Stinknormale Mitmenschen (oder solche, die sich dafür halten) werden durch die Konfrontation mit den Ulmen´schen Charakteren dazu verführt, ihre eigene Unzulänglichkeit zu offenbaren. Ging es vorher darum sich und seine Charaktere von Kandidaten als neuer Freund der Tochter in deren ahnungslosen Familien einführen zu lassen (für das nette Sümmchen von 10.000 Euro!), so lässt er sich und seine Opfer nun für eine Reality-Show von einem Kamerateam begleiten. Sei es der stinkende Knut Hansen, der den ur-bayrischen Bürgermeister aus der beschaulichen Gemeinde Chamerau dazu bringt, stolz zu verkünden: “Bei uns gibt es kein Gesindel, keine Türken, keine Schwulen”. Und den gut gemeinten Ratschlag mit auf den Weg bekommt: “Und wenn Du mal Spaß haben willst, fährst du nur 15 Kilometer hinter die tschechische Grenze in den Club Pyramide”. Wen wundert‘s da noch, dass der liebe Herr Bürgermeister heute pensioniert ist und in Ungarn lebt! Der Freak Uwe Wöllner. Oder der geleckt-geschniegelte Alexander von Eich, der einer Hart-IV-Empfänger Familie anbietet, ihr den Weg aus dem Prekariat-Sumpf zu zeigen.
Das Streamen im Internet umgeht somit die allzu vielen Restriktionen im Fernsehen, denen auch Herr Ulmen folgen musste. Obwohl Ulmen seinen Charakteren nicht alle Freiheiten zugestehen konnte, wurde “Mein neuer Freund” 2006 für den Deutschen Fernsehpreis nominiert, von Kritikern und Fans geliebt und nicht zuletzt wegen seiner nichtfiktiven Gesellschaftsatire geachtet. Trotzdem wurde das nicht massentaugliche Format sofort abgesetzt - wie viele seiner Vorgänger und Nachfolger. Während der Qualitätscontent im Netz zum Longtail werden könnte, wird das gute alte Fernsehen immer flacher. Unsere deutsche Fernsehwirklichkeit heute: Ich muss mir leider “ernst” gemeinte (wo soll das noch hinführen-), dennoch stark verblödende und an der Moral vorbei produzierte Formate, wie die “Sozialschmarotzer”-Show oder Schuldnerberater Peter Zwegat vorsetzen lassen! Dann doch lieber Ulmen.TV-.
Nicht anders als im guten alten Fernsehen muss auch im Netz Geld verdient werden. Zwar sind die Clips in diesem Video-on-Demand-Portal - wie bei Youtube - kostenlos, finanziert durch Werbung, doch wer wird sie buchen? Im Moment wird nur von allen Seiten investiert, Hauptsache man verpasst den Trend nicht. Wir werden sehen, ob sich das jemals rentieren wird!?
Somit ist wohl, meiner Meinung nach, bewiesen: Wenn in der guten, alten Glotze etwas nicht ans Laufen kommt, heißt das noch lange nicht, dass es gar nicht funktioniert! Ulmen zeigt ja, dass gut gemachte Nischen-Formate auch ohne Umweg im Netz Erfolg haben!