Ich habe selbst zu Hause nicht weniger als vier Fernbedienungen auf dem Couchtisch liegen, und die komplizierteste davon brauche ich nur zum An- und Ausschalten. Ich bin sicher, viele haben sich so wie ich schon gefragt, ob das eigentlich so sein muss. Panasonic hat jetzt versucht, eine Antwort zu geben: Eine Fernbedienung mit Doppel-Trackpad, mit der man ohne die üblichen kleinen vielen Tasten durch Programme und die Film-Bibliotheken surfen kann. Aber natürlich schreibe ich diesen Beitrag auch, weil wir bei den Deutsche Telekom Laboratories ebenfalls eine Fernbedienung entwickelt haben - die fast keine Tasten mehr hat und noch ganz andere Möglichkeiten der Bedienung bietet.
Erkennt Linkshänder
Die Panasonic-Fernbedienung ist ganz auf Berührungssteuerung ausgelegt. Das ist gut, wenn man Menüs durchscrollen will, denn man muss den Blick dabei nicht mehr vom Bildschirm abwenden, um Knöpfchen zu drücken. Es reicht, den Finger auf dem Trackpad hin und herziehen, um einen Cursor auf dem Fernsehbildschirm an den gewünschten Punkt zu bewegen. Die Fernbedienung merkt sogar, wenn ein Linkshänder sie benutzt und passt die Menüs entsprechend an.
Unser Prototyp einer Fernbedienung, die wir bei den Deutsche Telekom Laboratories entwickelt haben, verfolgt hingegen einen multimodalen Ansatz. Multimodal bedeutet: Es gibt nicht nur einen Weg, um den Fernseher dazu zu bringen, das zu machen, was man von ihm erwartet. Denn einerseits reagiert die Fernbedienung darauf, wie man sie hält oder bewegt. Und andererseits kann man Befehle in sie hineinsprechen, also eine echte Sprachsteuerung.
Bedienen - jeder auf seine Art
Unsere Forschungen haben uns letztlich zu der Meinung gebracht, dass eine Art der Bedienung für die Fernbedienung der Zukunft nicht ausreichend ist. Damit würde ich den Panasonic-Ansatz keineswegs entwerten wollen. Aber zum einen wird es gewiss so sein, dass unterschiedliche Nutzer unterschiedliche Wünsche haben und die verschiedenen Bedienarten verschieden stark annehmen. Zum anderen kommt hinzu, dass das Fernsehen der Zukunft mit seiner steigenden Interaktivität und der immer größeren Vielfalt an Angeboten nach neuen, differenzierten und unmittelbaren Arten des Austausches zwischen Mensch und Gerät verlangt.
Multimodale Fernbedienung
Wie funktioniert die multimodale Fernbedienung der Deutschen Telekom Laboratories? Hier ein paar Anwendungsbeispiele:
Mit der multimodalen Fernbedienung sind komplizierte Tasten, die mehrfach mit Funktionen belegt sind, passé. Der Fernseher wird zu meinem eingespielten Partner, der auf Zuruf und Gesten intuitiv das Richtige macht.
Natürlich ist auch in Zukunft noch viel mehr denkbar. Warum zum Beispiel nicht Handy und Flimmerkiste zusammenbringen? Auch erste Einbindungen von Gesten sind technisch machbar. Es gibt derzeit viele Entwicklungen oder Überlegungen auf diesem Gebiet, meist jedoch Ansätze, die nur eine Bedienungsmodalität berücksichtigen. Unsere Forschungen haben bestätigt: Es gibt nicht die Bedienung, die für alle Nutzer und Situationen passt, vielmehr wünschen die Anwender Multimodalität geradezu. Welche Entwicklungen es in Zukunft auch immer geben wird - ich hoffe, sie bieten mehr Freiheit: Jeder soll selbst entscheiden können, welche Art des Zappens ihm am besten gefällt.
Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 16. Oktober 2008 um 08:30 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Technologie, User abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch das RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.
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1.- Carsten Höh
Kommentar vom 28. Oktober 2008 um 17:20
Das Problem “Mehr Funktionen = Mehr Tasten auf der Fernbedienung” hat offenbar auch AT&T erkannt. Allerdings wird hier wohl voll und ganz auf die Sprachsteuerung gesetzt. Für den amerikanischen IPTV-Service U-verse ist offenbar eine Fernbedienung in Arbeit, die sich bei Bedarf komplett ohne Tasten bedienen lässt (http://discovermagazine.com/2008/nov/17-talk-to-your-gadgets).
Anstatt im Tastenwirrwar nach der richtigen Funktion zu suchen lassen sich die Programme einfach mittels Spracheingabe umschalten, aufnehmen, pausieren usw. Bei Bedarf kann man hier sogar per Sprachbefehl gezielt nach Sendungen zu bestimmten Themen suchen oder einfach einen Befehl wie “Bruce Willis” sprechen, um sich aus dem EPG alle Filme mit diesem Darsteller heraussuchen zu lassen.
Vom Grundprinzip wird also auch hier ein ähnlicher Ansatz wie bei den T-Labs verlogt – nur halt nicht Multimodular, sondern explizit auf AT&Ts Spracherkennungssoftware namens Watson (http://www.research.att.com/viewProject.cfm?prjID=355) ausgelegt.
Bin ja mal gespannt, was sich im Endeffekt durchsetzt – denke aber, dass es mit Sicherheit eine der Lösungen wird, die sich am intuitivsten bedienen lassen.
2.- Katja Henke, verantwortlich für User Experience bei den Deutschen Telekom Laboratories
Kommentar vom 18. November 2008 um 14:49
Ich bin kürzlich auf ein Video gestossen, das zeigt, wie Gestensteuerung funktionieren könnte. Allerdings in diesem Falle am Computer:
http://www.youtube.com/watch?v=FZyErkPjOR8&eurl=http://www.mce-community.de/mceBlog/index.php?/archives/1535-Musikbibliothek-per-Gestensteuerung-!.html
Das Thema Steuerung über Gesten sowie auch Gestenerkennung kann gerade im Umfeld IP TV eine grosse Bedeutung bekommen. Auch für die Multimodale Fernbedienung forschen wir nach weitergehenden Ansätzen in dieser Richtung - eine sehr interessante Erweiterung. Gestensteuerung ist bis zu einem gewissen Grad auch heute im prototypischen Stadium schon möglich, allerdings fehlt es noch an Robustheit. Die Lichtverhältnisse und die genaue Position der Gesten spielen noch eine relativ grosse Rolle, wenn es darum geht, die Handbewegung eindeutig zu tracken.
Das ist auch ein Grund, weshalb ich glaube, dass die Gestensteuerung in naher Zukunft die die Fernbedienung nicht vollständig ersetzen wird. Da wird es recht schnell kompliziert mit der Anzahl und Eindeutigkeit der Gesten – und das ist folglich nicht nur ein technisches Problem.
3.- Carsten Höh
Kommentar vom 25. November 2008 um 12:59
Ich habe kürzlich auch noch zwei neue Arten von Fernbedienungen entdeckt. Die Technik der G-Speak erinnert nicht nur an den Film Minority Report, sondern stammt tatsächlich von den Entwicklern, die das Ganze auch für den Film realisiert haben (http://www.netzwelt.de/news/78942-g-speak-computersteuerung-wie-in-minority.html).
Nicht ganz so beeindruckend, aber von der Idee und einfachen Bedienbarkeit her mindestens genauso interessant finde ich die Produktstudie der Hillcrest Labs (http://newteevee.com/2008/11/17/hastings-youll-control-your-tv-with-this/). Hier wird die bewegungsempfindliche Wii-Steuerung mit dem Komfort der Computermaus in einem simpel anmutenden Ring kombiniert. Bin ja mal gespannt, was die Zukunft noch alles bringt
4.- Weg mit den Tasten - neuartige Fernbedienungskonzepte sind auf dem Vormarsch » Interactive TV Award
Pingback vom 18. November 2009 um 20:57
[…] zu erteilen? Oder wird es doch eine Weiterentwicklung der altbekannten Fernbedienung, wie das multimodale Eingabeinstrument, an dem die T-Labs der Deutschen Telekom seit geraumer Zeit arbeiten? Was meinen […]