Da saß ich doch zuletzt einmal gemütlich auf meiner Couch, nichts Böses ahnend, ein Tässchen Tee in der Hand, und zappe so vor mich hin: Bei “Nur die Liebe zählt” (und ich habe wirklich nur kurzdahin gezappt) bekomme ich die letzten Worte von Kai Pflaume zu seiner Sendung mit. Er moderiert, wie immer, den nächsten Beitrag an und da werde ich stutzig: ….wir haben bereits 20:15 Uhr und wie jeder weiß, fangen doch zu diesem Zeitpunkt sonntags immer die Blockbuster an. Doch der nächste Satz verblüfft mich: “Wollen Sie sehen, wie es um die Liebe von B. und S. steht, dann gehen Sie direkt im Anschluss im Internet auf unsere Seite und Sie können die zweite Hälfte der Sendung verfolgen.”
Sat1 (nicht unbedingt für sein junges Publikum bekannt) hat die Zeichen der Zeit erkannt und aus den letzten Studienseine Rückschlüsse gezogen: Zum einen bewegt sich die TV-Nutzung auf stabil hohem Niveau, bei den internetaffinen Teenagern und jungen Erwachsenen steigt sie sogar an. Eine vom ProSiebenSat 1-Vermarter SevenOneMedia veröffentliche Studie besagt, dass sich die tägliche Sehdauer bei den 14- bis 29-jährigen Zuschauern, die das Internet in Deutschland am stärksten nutzen, von 132 Minuten am 1. Januar 2007 hin zum 26. Oktober 2008 auf durchschnittlich 135 Minuten angestiegen ist. Des Weiteren steigt auch die TV-Nutzung bei einer weiteren wichtigen Zielgruppe leicht an: Sahen bereits 2007 die 14- bis 49-jährigen 226 Minuten fern am Tag, so sind es nun 229 Minuten. Zum anderen zeigt die Onlinestudie 2008 von ARD/ZDF, dass die durchschnittliche Verweildauer im Netz bei Erwachsenen von 54 Minuten auf 58Minuten in diesem Jahr angestiegen ist, bei 14- bis 19-jährige sogar auf 120 Minuten.
Wegen zunehmender Attraktivität sowohl des altbekannten Fernsehen, als auch des Internets inkl. WebTV, steigt der Medienkonsum bei beiden an. Keiner kann dem anderen etwas abgreifen- also bleibt den Sender-Betreibern nur (solange keinem etwas Besseres einfällt) die Möglichkeit Internet und TV auf einander abzustimmen. Konvergenz statt Konkurrenz, Sat1 macht es uns vor. Und: Ich habe mir sagen lassen, dass das Angebot von Sat1 wirklich angenommen wird (und diesmal nicht aus eigener Erfahrung!)-..
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1.- Arne
Kommentar vom 11. November 2008 um 17:51
Das ist wirklich die perfekte Konvergenz.
Vom TV ins Internet und wieder zurück, bei uns war es anders herum, aber das ist nur der Anfang.
Super Blog übrigens, wundert mich das sich so wenig intensiv mit dem Thema beschäftigen.
2.- Alexandra Evers, Projektleitung Interactive TV Award
Kommentar vom 29. November 2008 um 19:24
Ja genau, Arne: Sehr spannendes Thema! Vor allem erreicht man mit diesem Ansatz schon heute etwas. Das zeigen nicht zuletzt die mannigfaltigen Erfahrungen der Anbieter von Video-Inhalten im Netz. Während der Vorreiter YouTube mit seinem Bauchladen „Für jeden ist etwas dabei“ grosse Probleme hat, wenn es um die Wirtschaftlichkeit seines Tuns geht, erreichen Nischenanbieter mit ausgewählten Inhalten deutlich mehr:
http://www.streetlightstv.de/blog/masse-versus-klasse-das-quantitaetsproblem-bei-web-tv/
Daraus lässt sich leicht ableiten: Wenn man sich über das TV-Format sein Stammpublikum erarbeitet hat, ist es ein leichtes, eine grosse Zahl davon ins andere Medium mitzunehmen. Zumindest, wenn die technischen Voraussetzungen stimmen.
Kurzum: Der Community-Ansatz bildet eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Medienkonvergenz.
Viele Grüsse,
Alexandra Evers