Interactive TV Award - Blog zum Interactive TV Award der Deutschen Telekom




Forschung für das Fernsehen der Zukunft VI: Bildregie in eigener Hand

Von Achim Brueck, Interactive TV Award - Kommunikation | Tags: , , ,

War es nun ein Foul oder nicht? Wo hatte David Copperfield seine Hand wirklich, als er den roten Straßenflitzer verschwinden ließ? Manchmal würden wir beim Fernsehen gerne mehr sehen und die Kamera dort draufhalten, wo das wirklich Entscheidende passiert. Was das ist, möchten wir natürlich ganz spontan selbst entscheiden - unabhängig von der Regie aus den Fernsehsendern. Bei den Deutschen Telekom Laboratories erforschen Wissenschaftler in Kooperation mit der Stanford University in Kalifornien, wie sich diese Vision umsetzen lässt.

Das Projekt heißt „Interactive Regions of Interest” und dieser Name bezieht sich auf die Teile des Bildes, die den einzelnen Zuschauer besonders interessieren. Interaktiv bedeutet dabei, dass er sie sich am heimischen Fernseher selbst ansteuern und vergrößern kann - und zwar in Echtzeit.

Sachin Agarwal von den Deutschen Telekom Laboratories arbeitet seit zwei Jahren mit einem kleinen Forschungsteam an einem großen Effekt. Dazu gehören Professor Bernd Girod und Student Aditya Mavlankar von der Stanford University.

Dr. Agarwal hat den wissenschaftlichen Hintergrund der Lösung untersucht. Wir haben ihn dazu gefragt: Was hat der Nutzer davon und vor allem wann?

Dr. Agarwal: Über Computer- und Fernsehtechnik ist es bereits jetzt möglich, ähnlich wie bei Google Maps, ganz individuell die interessanten Szenen heranzuzoomen. In einigen Jahren wird das auch auf dem Mobiltelefon möglich sein. Überall dort, wo multiple Kameras fest installiert sind und Panoramaaufnahmen angeboten werden, kann sich der Nutzer seine individuelle Sendung anschauen. Einer verfolgt den Schiedsrichter, ein anderer lässt den Torwart in keiner Sekunde aus den Augen. Jedes Spiel, jedes Event wird interessanter, weil die speziellen Interessen jedes Einzelnen bedient werden.

Team Interactive TV Award: Und warum gibt’s das nicht schon flächendeckend?

Dr. Agarwal: Wir sind erst am Anfang. Die Technologie muss reifen und vor allem, die Contentanbieter müssen sich darauf einstellen. Die Verbindung muss zudem rückkanalfähig sein und die Endgeräte darauf abgestimmt sein. Infrastrukturell können unidirektionale Broadcasttechnologien wie Satellitenübertragungen oder analoge Verfahren dies nicht leisten. Bei T-Home wäre es jedoch schon möglich. Darüber hinaus gibt es auch noch rechtliche Fragen, etwa im Bereich des Datenschutzes, die im Vorfeld geklärt werden müssen.

Schwerpunkt der Grundlagenforschung wird sein, die Technologie auszuloten. Es gilt, mittelfristig Lösungen für die Probleme zu entwickeln, die sich daraus ergeben, dass Endgeräte mit vollkommen unterschiedlichen Displays und mit unterschiedlich schnellen Verbindungen auf Bildquellen mit HD-Qualität zugreifen.

Für Technikinteressierte gibt es hier Details mit Link zu einem Video, das zeigt, wie diese interaktive Übertragungstechnologie funktioniert.

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Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 27. November 2008 um 19:57 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Technologie abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch das RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.

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  1. 1.- Carsten Höh

    Kommentar vom 02. Dezember 2008 um 10:30

    Interessant fände ich ein solches Feature allemal. Theoretisch wurden Techniken dieser Art ja bereits seit der Einführung der DVD angepriesen. Leider konnte man den Blickwinkel bei diesem Medium bisher fast ausschließlich bei diversen Extras und meines Wissens nach nie im Hauptfilm verändern. Im PayTV lief ein ähnliches Prinzip bei der Formel 1 ja recht erfolgreich. Ich denke, dass sich solche Features eh insbesondere für Sportereignisse oder sonstige Liveübertragungen eignen, bei denen grundsätzlich mehrere Kameras zum Einsatz kommen. Wenn man die Kameras dann als Zuschauer frei anwählen könnte … das wäre doch was :-)
    Letzte Woche habe ich noch einen Artikel gelesen, in dem beschrieben wurde, dass beim Fußballspiel England – Deutschland zum ersten mal eine Technik eingesetzt wurde, die dafür sorgen soll, das Ballgeräusch näher zum Zuschauer zu bringen. Um dies zu erreichen, wurde eine mit einem Richtmikrofon ausgestattete Kamera eingesetzt, die über den gesamten Spielverlauf den Ball verfolgte (http://www.digitalfernsehen.de/news/news_647082.html). Wenn ich nun über die blaue Taste der Entertain-Fernbedienung selbst bestimmen könnte, ob ich gerade die Gesamtübersicht des Spielfeldes genießen will, oder lieber direkt am Ball bleibe … ja, ich glaube das könnte mir gefallen :-D

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