Delinearisierung von Fernsehen geht weiter
Mit der guten alten Aufnahme im Videorekorder fing vor einigen Jahrzehnten alles an: der Konsum von Fernsehen ist nicht mehr an Datum und Uhrzeit gebunden. Inzwischen kommen im Raketentempo immer neue technische Möglichkeiten auf - das zeigte unlängst nicht zuletzt die Unterhaltungselektronik-Messe CES in Las Vegas.
Delinearisierung im Fernsehen ist, wenn ich meine Lieblingssendungen dann anschauen kann, wann ich möchte. Der zweite Schub für diesen Paradigmenwandel kam durch die Verbreitung von digitalen Festplattenrekordern. Die sorgten dafür, dass das Aufnehmen und Wiedergeben der Inhalte noch platzsparender, schneller und einfacher geht.
Mittlerweile ist die dritte Zündungsstufe auf voller Kraft. Die Technik richtet sich nach den eigenen Vorlieben. Browser oder PC oder die unterschiedlichsten Web-TV-Integrationen bei der neuesten Generation von Flachbildschirmen - es gibt etliche Varianten für alle, die sich nicht mehr an Programmplänen orientieren wollen.
Eine neue spannende Funktion hat Microsoft nun auch auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Sie heißt “Anytime“. Damit wird dem Nutzer ermöglicht, bereits vergangene Sendungen noch mal anzuschauen, ohne dass er diese explizit zur Aufnahme programmiert hat.
Rein funktional ist diese Funktion wirklich klasse und dürfte bei den Zuschauern große Begeisterung auslösen. Unter urheberrechtlichen Aspekten sieht die Sache aber schon wieder ganz anders aus, da solche Nutzungsszenarien weitere Verwertungsrechte benötigen, und die müssen Sendung für Sendung geklärt sein.
In jedem Fall ist aber der Trend zu Delinearisierung ungebrochen. Fraglich ist, ob bzw. an welcher Stelle er zum Stehen kommt. Einige Experten meinen auch, dass der Fernseher noch lange die “Feuerstelle” der Familie bleiben wird und man noch nicht vom Ende des klassischen Fernsehens ausgehen sollte.
Bestimmt wird sich aber ein Trend aus der Musikbranche in der Fernsehwelt fortsetzen. Dort wird ja schon seit langem ein immer größerer Anteil mit Live-Konzerten verdient und der Umsatz durch CD-Verkäufe ist stark rückläufig und kann auch nicht durch den Online-Vertrieb kompensiert werden.
Live-Events werden daher sicher auch beim Fernsehen Zugpferd bleiben: Große Sportveranstaltungen, Live-Famililensendungen am Samstagabend, Übertragung von Konzerten und vielleicht auch aktuelle Nachrichtenberichterstattung. Für alle anderen Formate gibt es jedoch zukünftig keine Gründe mehr, diese dann zu schauen, wann es ein Programmschema vorsieht.
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Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 22. Januar 2009 um 09:00 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Technologie abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch das RSS-Feed verfolgen. Sie haben die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog zu senden.
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