Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Sie sitzen auf Ihrem Sofa. Auf dem Bildschirm läuft gerade ein nervenaufreibender Thriller. Der maskierte Killer schleicht sich durch die Hintertür ins Innere des Hauses, wo unser nichtsahnender Hauptdarsteller gerade in der Küche mit den Vorbereitungen für sein Candlelight-Dinner mit der schönen Paloma beschäftigt ist. Plötzlich hört er ein seltsames Geräusch, dreht sich um und schaut dem mit dem Messer auf ihn zustürmenden Killer mitten ins Gesicht… Und genau in diesem Moment… STOP… Das Bild friert ein… Allerdings nicht wegen einer Werbeunterbrechung oder technischen Panne… NEIN… Jetzt sind SIE gefragt!
Sie entscheiden, wie es weiter geht…
Anhand des auf dem Bildschirm angezeigten Menüs können Sie mithilfe Ihrer Fernbedienung bestimmen, was der Hauptdarsteller tun soll. Greifen Sie zum Küchenmesser? Versuchen Sie durch das Küchenfenster zu springen? Schreien Sie laut um Hilfe? Von Ihren Entscheidungen hängt es ab, wie die Szene fortgesetzt wird und ob der Film ein gutes oder ein schlechtes ENDE nimmt!
Vom ‘Spielbuch’ zum interaktiven ‘Spiel-Film’
Das dahinter stehende Konzept ist nicht neu. Bereits in den 70er Jahren gab es im Bereich der Fantasy-Literatur eine ganze Reihe so genannter Spielbücher, bei denen Ihnen am Ende eines Kapitels eine für den weiteren Fortgang der Geschichte entscheidende Frage gestellt wurde:
A: (weiter geht’s auf Seite 15)
B: (weiter geht’s auf Seite 18)
C: (weiter geht’s auf Seite 21)
Was allerdings neu ist, dass dieses Konzept nun von Paramount Digital Entertainment in Form eines interaktiven Thrillers namens “Circle of 8” erstmals als Episodenfilm in Studioqualität umgesetzt werden soll. Der Zuschauer kann in diversen Szenen anhand der zur Auswahl stehenden Optionen entscheiden, wie es weiter geht, und bekommt so die Chance sein ganz persönliches Filmerlebnis zu genießen.
Könnte so das interaktive Fernsehen der Zukunft aussehen? Der Tatort läuft und Sie sind der Kommissar … eine verlockende Vorstellung. Oder was denken Sie?
Ohne plumpe Hilfsmittel
Perfekte Illusion, die mal wieder endlich Realität wird. In diese Richtung geht ein Fernseh-Geräte-Hersteller, der auf der IFA neuartige 3D-Fernseher anpreist. Das Versprechen ist wirklich nicht ohne: Denn man brauche keine plumpen Hilfsmittel wie 3D-Brillen, um ein räumliches Fernseherlebnis zu bekommen, und im Prinzip funktioniere die Technik schon mit jedem beliebigen TV-Film.
Ist diese perfekte Illusion, was wir wollen werden? Ganz real ist diese Frage allerdings nicht. Denn in den Wohnzimmern sitzen wir vorerst noch und warten auf HD. Und die plastischen Fernseher sind einfach noch nicht billig genug. Fragen wir also besser: Was werden wir wann bekommen?
Klartext und im Raum
Wie wir uns im Raum bewegen, so einfach und natürlich werden wir auch die Medien der Zukunft bedienen. Einen Vorgeschmack auf die Zeit nach der Fernbedienung lieferte jetzt auf der IFA eine Ausstellung des Technisch-Wissenschaftlichen Forums (TWF).
Demnach können wir mit Fernsehern Klartext reden oder uns bei allerlei Geräten mit Gesten und Armbewegungen verständlich machen. Zum Repertoire der intelligenten Maschinen von Morgen gehört auch, dass sie vielsprachig sind oder 3D-Bildschirme haben. An letzteren werden vor allem die Kleinen bald Freude finden, vermuten die Aussteller. Und Sie - welche Art Bedienung werden Sie wollen?
Passt vielleicht dazu:
Wir hatten’s übrigens kürzlich schon mal von 3D, und von HD auch.
Wir haben immer schon mit unserem Fernsehgerät interagiert: indem wir es ein- und ausgeschaltet haben, indem wir gelernt haben zu zappen. Seit den Anfängen des Fernsehens hat sich auch die Art der Beteiligung von Zusehern entwickelt, erst per Post, dann per Telefon. Call-in Spiele, Telespiele, Votings und Tele-Shopping und user-generated content kommt über Home Videos auf die Bildschirme. Was ist also der Unterschied zum Angebot auf dem Internet oder über die immer mächtiger werdenden Spielkonsolen?
Bei YouTube kann ich den von mir gewünschten Inhalt ansehen, über die Spielkonsole kann ich Multiplayer Games spielen, Fotos mit meinen Freunden sharen, in Second Life mir meine eigene Realität schaffen und meine Einkäufe erledige ich ohnehin online.
Warum sollte also das Fernsehen diese Funktionen kopieren?
Weil es ein Massenmedium ist?
Weil es leichter zu bedienen ist als ein PC oder eine Game Console?
Das Fernsehen wird in der nächsten Zeit über weite Strecken ein lean-back-Medium bleiben. Die meisten von uns leben nicht mehr dort wo sie geboren sind, die Familien und Freunde sind oft über mehrere Länder verteilt, Arbeitszeitmodelle verändern sich, und wir sitzen nicht mehr gemeinsam im Wohnzimmer, um fernzusehen. Und wir sind mittlerweile gewohnt, Informationen schnell und gezielt abzufragen und aufzunehmen.
Der Mehrwert des interaktiven Fernsehens wird dann bewiesen sein, wenn sich diese Interaktivität an unsere geänderten Lebensumstände anpassen kann – unabhängig von Zeit, Raum und Medium.
Brigitte Trenfield gehört zum Team mit dem Wettbewerbsbeitrag “Instant Information“.
English abstract
Interactive television, or the blessing of the feedback channel
Why should television copy functions we’re used to on computers?
Because it’s a mass media?
Because it’s easier to use than a PC or a game console?
By and large, the television will remain a lean-back-medium in the time to come. Most of us no longer live where we were born, family and friends are often spread out over several countries, work models are evolving, and we no longer watch television all together in the living room. And now we’re used to quickly calling up and recording exactly the information we want.
If this interactivity can be made to fit in with our changing circumstances, the benefits of interactive television will really make themselves felt – independent of time, space and medium.
Brigitte Trenfield’s team entered the Awards with the project “Instant Information”.
War zuerst die Henne, oder war’s das Ei? Die Frage passt zu Ostern und sie hat einen historischen Ansatz. Auch die Suche nach den Ursprüngen des interaktiven Fernsehens gibt uns Knobeleien auf. Zum Beispiel, wo die echte Interaktivität anfängt. Ganz nebenbei lässt sich beim Stochern in der Fernsehgeschichte so manches Überraschungsei freilegen.
English abstract: History
In the late ‘60s, there was a German game show called “Der goldene Schuss” (“The Golden Shot”). A viewer would call in and help a blindfolded participant in the studio as they tried to shoot a bull’s eye. We consider game shows like these the beginning of interactive TV.
Noch ist Deutschland IPTV-Entwicklungsland. Doch das wird sich ändern. Gert von Manteuffel, Bereichsleiter IPTV der Deutschen Telekom ist optimistisch und ermutigte die anwesenden Entwickler „wir dürfen uns austoben“. Fernsehen 4.0 soll echtes interaktives Fernsehen werden. Nach schwarz/weiß, Farbe und ersten Schritten in Richtung IPTV wird jetzt Revolution eingeleitet. Warum auch nicht.
Die Entwickler, unsere Gäste auf dem CeBIT-Treffen zum Start des Deutsche Telekom IPTV Award, wissen, wo sie ansetzen können.