Zugeschaltet / Das Leben gibt der Technologie seinen ganz eigenen Takt vor. Unser Gastautor Bertram Gugel sieht das an der Zuschauer-Wanderung - weg vom Fernsehen, hin zu Online-Videos. Seine Sicht auf unser Wettbewerbsmotto “Fernsehen, wie wir leben” ist geprägt durch seine jahrelange Beschäftigung mit der Entwicklung des Fernsehens - dokumentiert in seinem Blog “Digitaler Film”. Seit 2009 arbeitet Bertram Gugel für das IPTV-Design bei der Deutschen Telekom.
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Am 1. August 1981 ging MTV mit Video Killed the Radio Star auf Sendung. Seitdem hat MTV eine Achterbahnfahrt hinter sich. Dem Aufstieg des Musikfernsehens bis 2000 folgte in den letzten Jahren der Fall. Am jetzigen MTV Programmschema kann man den Wandel leicht ablesen – Musikvideos muss man dort lange suchen. Den neusten Tiefpunkt markierte die Weigerung von Vevo und Universal Music MTV.com Musikvideos zur Verfügung zu stellen. Musikfernsehen hat sich dank Vevo und YouTube vom Fernseher ins Netz verlagert und dort ist MTV nicht mehr erste Wahl.
MTV steht damit exemplarisch für einen Trend den wir in den nächsten Jahren verstärkt beobachten werden: TV (Bündelung) wird an Bedeutung verlieren und Videos (Einzelinhalte) werden an Bedeutung gewinnen. Ich werde versuchen einige Gründe für diesen Trend darzustellen und Implikationen aufzuzeigen.
Betrachtet man den Fernsehgeräte Markt zeichnen sich zwei große Entwicklungen ab:
Kombiniert man diese beiden Trends kann man die Parallele zum Handymarkt ziehen. Auch dort wurde durch neue Geräte plötzlich das Internet attraktiv, was großen Einfluss auf die Handynutzung insgesamt hatte. Plötzlich ist das Telefonieren nicht mehr das wichtigste Feature sondern nur noch eines von vielen. Gleichzeitig ist z.B. die Videonutzung auf dem Handy rapide angestiegen. Ähnliches steht dem Fernsehen bevor:
Neben der neuen Konkurrenz durch das Internet auf demselben Screen sieht sich das Fernsehen einem massiven Unbundling durch das Internet ausgesetzt. TV ist ein Bündel aus Programmen, das die Auswahl und die zeitlichen Abfolge der Programme dem Konsumenten vorgibt. Diese Logik durchbrechen immer mehr User indem sie sich gezielt einzelne TV-Inhalte über das Internet ansehen. 33% der Amerikaner (59 Mio. Menschen!) schauen schon TV Serien im Netz insgesamt verschiebt sich die Videonutzung von User Generated Content hin zu TV-Inhalten.
Ein Trend den RTL und ProSieben mit ihrem angekündigten Joint Venture (ein europäisches Hulu?) aufgreifen und forcieren werden. Anbieter wie Netflix und Hulu aber auch kommende Startups werden ebenfalls diese Over the Top Chance nutzen und zu neuen Multichannel Video Programming Distributors mit globaler Reichweite und tiefen Taschen werden ohne dafür einen Anschluss oder einen TV-Kanal zu benötigen.
Während das Fernsehen als Institution an Bedeutung verlieren wird werden die Fernsehinhalte in Form von Videos deutlich an Bedeutung gewinnen. Die Nachfrage nach diesen Inhalten steigt stetig – allein im letzten Jahr hat sich die online Sehdauer verdoppelt.
Zur Nachfrage der Konsumenten kommt die Nachfrage von Plattformbetreibern und Consumer Electronics Herstellern. Beide benötigen (gute) Inhalte um sich zu differenzieren. Je mehr und einfacher Videos on demand auf den jeweiligen Geräten und Plattformen konsumiert werden können umso attraktiver werden sie für den Konsumenten. Wie weit diese Entwicklung gehen kann zeigt Seagate, die in Zukunft Festplatten nicht mehr leer sondern gefüllt mit Filmen ausliefern werden.
Aus dem Bedeutungsverlust des Fernsehens und der wachsenden Bedeutung von Videos ergebnen sich meiner Ansicht nach drei Chancen.
Erstens können Dienste und Services den Fernseher als weitere Plattform mit eigenen Applikationen besetzen. Casual Games, Informationsdienste und TV-Widgets sind nur drei mögliche Typen von Applikationen, die dem Fernsehen den großen Screen im Wohnzimmer streitig machen könnten.
Zweitens profitieren Online Video Plattformen, wie Brightcove, Ooyala und thePlatform von dieser Entwicklung, denn das Verfügbarmachen von Videos on demand auf verschiedenen Plattformen, Diensten und Geräten will gemanaged werden.
Drittens profitieren Content Produzenten von der gesteigerten Nachfrage für ihre Inhalte. Auch wenn das Fernsehen perspektivisch an Bedeutung verliert, werden sie in Summe besser dastehen als zuvor. Die Herausforderung ist durch geschickte Verhandlungen auf allen Plattformen und Geräten präsent zu sein und davon monetär zu profitieren.
Über den Autor
Bertram Gugel ist Junior Manager IPTV Design bei der Telekom. Zuvor hat er als Produktmanager bei Axel Springer Digital TV ein neues Videomanagement-System für den Konzern implementiert. Seit 2005 schreibt er in seinem Blog “Digitaler Film” über die Konvergenz des Fernsehens und des Internets, die verschiedenen Videoangebote im Netz sowie Trends und Entwicklungen in diesem Feld. Als Berater hat er Distributionsstrategien und Featuresets für verschiedene Internet Video Firmen entwickelt. Bertram Gugel hat Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig studiert.
Auf der CES in Las Vegas hat die Unterhaltungselektronikindustrie die Weichen für 2010 gestellt. Der Trend geht eindeutig in Richtung 3D - nicht nur im Kino, sondern insbesondere auch auf dem heimischen Fernseher. Aber nicht nur 3D-TV steht in den Startlöchern - HDTV wird endlich für eine breite Masse der Zuschauern verfügbar und IPTV setzt sich zunehmend durch.
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Und nicht zu vergessen … auch im Bereich des interaktiven Fernsehens tut sich etwas. Wers mal testen will, sollte sich die letzte Woche gestartete neue Version der “LIGA total! interaktiv” bei Entertain einmal genauer anschauen … Fußball zum “mit-managen” … der Hammer!!!
Weitere Infos gibts hier, in der offiziellen Pressemitteilung: LIGA total! interaktiv - Alle Infos rund um den Spieltag
Die Vorfreude war groß - ARD und ZDF sendeten die Leichtathletik WM erstmals für die breite Masse in HD-Qualität. Doch dann die Ernüchterung - ein Großteil der Zuschauer konnte das Programm trotzdem nur in altbekannter SD-Qualität betrachten. Denn mit einem HDTV-fähigen Fernsehgerät ist es in den meisten Fällen beim besten Willen noch nicht getan.
Zum Empfang von HDTV reicht ein HD-Fernseher nicht aus
Die Leichtathletik WM galt lediglich als Testlauf für die HD-Übertragung. Der flächendeckende Start für die Ausstrahlung von HD-Fernsehinhalten ist von den öffentlich rechtlichen Sendeanstalten erst für 2010 geplant. Wer dann allerdings wirklich in den Genuss des hochauflösenden Fernsehens gelangen will, der benötigt mehr als einen HD-tauglichen Flachbildfernseher. Welche Hardwareanforderungen für den HDTV-Empfang benötigt werden, hängt dabei nicht zuletzt von der Empfangsart ab.
Unterschiedliche Übertragungswege = Unterschiedliche Voraussetzungen
Wer sein Fernsehen über Kabel oder Satellit empfängt, benötigt neben einem HDTV-Gerät zwangsläufig auch noch einen HD-tauglichen Receiver. Beim SAT-Empfang kommt hinzu, dass einige Privatsender planen, ihr HD-Material kostenpflichtig in verschlüsselter Form auszusenden, sodass der Receiver hier nicht nur HD-tauglich sein, sondern auch noch dem neuen HD+-Standard entsprechen und mit einem so genannten CI-PLUS Interface ausgestattet sein muss - einer Weiterentwicklung der bisher z. B. für Premiere, Sky oder anderen Bezahlfernsehanbietern genutzten Kartenlesegeräte zur Entschlüsselung des Empfangssignals. Nutzer von DVB-T schauen hingegen buchstäblich in die Röhre, denn auf diesem Wege ist in näherer Zukunft prinzipiell noch kein HDTV-Empfang möglich. Und auch wenn Eigenlob stinkt - beim Empfang via IPTV gestaltet sich die Sache doch deutlich einfacher, da zumindest die zum Entertain Paket gehörige Set-Top-Box von Haus aus alle Voraussetzungen für den Empfang von hochauflösendem Fernsehen mitbringt. Einfach anstöpseln und fertig! Einzige Grundvoraussetzung: Der Internetanschluss muss genug Bandbreite für den HDTV-Empfang bieten und zumindest dem VDSL-Standard entsprechen.
Der Pocket-Guide HDTV hilft
Da viele Zuschauer aufgrund dieser technischen Anforderungsvielfalt mittlerweile völlig verunsichert sind, wurde im Rahmen der IFA in Berlin eine Neuauflage des ‘Pocket-Guide HDTV’ verteilt, die den Verbrauchern die Technik und die Voraussetzungen für den Empfang des hochauflösenden Fernsehens in leicht verständlicher Form näher bringt. Nach dem Ende der IFA steht der 16 Seiten umfassende Ratgeber nun auch als kostenloses PDF-Dokument zur Verfügung. Eine Downloadmöglichkeit finden Sie hier:
http://www.tv-plattform.de/images/stories/pdf/2009pocketguide_hdtv.pdf
Und hier sind neben dem ‘Pocket-Guide’ auch noch weitere Hilfestellungen zu den Themen HDTV und digitales Fernsehen zu finden:
http://www.gfu.de/go/gfu/home/download/ratgeber.xhtml
Schöne neue HDTV-Welt - aber was würden Sie dafür zahlen?
Bei all den technischen Anforderungen stellt sich mir natürlich die Frage, wer sich den hochauflösenden Fernsehspaß im Endeffekt wirklich leisten will? Die öffentlich-rechtlichen Sender wollen ihr HD-Programm kostenlos ausstrahlen. Aber setzen die großen Privatsender ihr Vorhaben durch, muss sich der Zuschauer nicht nur einen neuen HD+-tauglichen Receiver zulegen, sondern zusätzlich auch noch eine monatliche Abogebühr für den Empfang des Fernsehangebots berappen. Kommen wir damit dem amerikanischen System immer näher? Wird mit der HDTV-Einführung vielleicht sogar Schritt-für-Schritt das Ende des kostenlosen TV-Empfangs in Deutschland eingeläutet? Was meinen Sie? Wären Sie bereit für das schönere Fernsehen zu zahlen? Und wenn ja, wie viel?