Award Log / Formel-1-Fans verspricht das Konzept des “Entwickler”-Finalisten TeraVolt aus Hamburg individualisierbaren Fernsehspass. Klaus Greiber, Projektleiter des Interactive TV Awards, sieht darin einen Reiz und eine Herausforderung.
Ich mag Fahren, vor allem wenn ich hinter dem Lenker sitze. Da finde ich es nur logisch, der hochtourigsten aller Fernseh-Sportarten mehr von diesem Selbstfahrer-Kitzel zu geben: der Formel 1. Die Fernseh-App des Hamburger Finalisten TeraVolt will genau das - und scheut dafür auch keine Extra-Aufwände.
Unabhängig von ihrer Teilnahme am Interactive TV Award, arbeiten die Spezialisten für interaktives Fernsehen übrigens schon seit der Konzeptionsphase bei der Interaktiven LIGA total! auf Entertain mit der Deutschen Telekom zusammen. Wie sie mir erzählt haben, sieht das jetzt im laufenden Betrieb ungefähr so aus: Während die Fans in den Stadien johlen, ist es an den Bundesliga-Samstagen unter den Redakteuren in den TeraVolt-Büros im Schanze-Viertel erstaunlich still. Das vielköpfige Team der Redakteure hat viel zu tun, zum Beispiel Live-Ticker und Zusatzinfos aktualisieren. Oder Tore zu Ereignisalarmen machen, die den Zuschauern zu Hause sagen: Hallo, bei der Begegnung, die du gerade auf deinem Konferenzschirm kleingezoomt hast, passiert gerade Entscheidendes!
Im Vergleich zu einem Fußballspiel dürfte ein interaktiv begleitetes Formel-1-Rennen noch weit mehr verschiedene Kameraperspektiven benötigen. Denn die Hamburger Entwickler möchten dem Zuschauer ermöglichen, von der Überblick-Berichterstattung wahlweise auch in die Pilotenkapseln der Fahrer oder zu den spektakulärsten Szenen entlang der gesamten Rennstrecke zu springen. Das TeraVolt-Konzept ist gut zu den Fans, setzt aber auch einen hohen Produktionsaufwand voraus. Das kann spannend werden, wenn es an die Umsetzung geht.
Die “Interaktive Formel 1″ der Hamburger Firma TeraVolt richtet sich an Fans von Schumi, Vettel & Co. Diese folgen mit der Anwendung wahlweise ihren Lieblingsfahrern in der Autopilot-Perspektive oder behalten im Konferenz-Modus die Übersicht über alle Titelkandidaten und Renn-Highlights auf der Strecke. TeraVolt hat bereits für die Produktion der interaktiven LIGA total! auf Entertain Idee und Konzeption geliefert und leistet das Producing sowie die Redaktion im aktuellen Betrieb.
Wie funktioniert die interaktive Formel 1?
Das Hamburger Team verspricht Motorsport-Fans, die Formel 1 in ganz neuen Nutzungsszenarien: Sie sehen immer ihren Lieblingsfahrer und sind keiner Gesamtregie ausgesetzt, oder können im Racemodus den Kampf 1 gegen 1 verfolgen. Sie sehendie Schlüsselkurve oder andere kritischen Rennpunkte im Alertmodus. Alles was Zuschauer dazu brauchen, ist die Fernbedienung.
Ebenfalls auf Knopfdruck gibt es zusätzliche Informationen: Wiederholungen der spektakulärsten Szenen, die wichtigsten Echtzeit-Statistiken oder die Spezialisten-Details des Profi-Modus. Weiteres Extra ist eine Tipp-Funktion, über die Formel-1-Fans auf den Ausgang des Rennens wetten.
Technischer Hintergrund
Ähnlich wie die LIGA total! für Fußballfans nutzt die “Interaktive Formel 1″ die dynamischen Präsentationsmöglichkeiten der Mediaroom-Plattform, etwa die komplexe Bild-im-Bild-Darstellung, die unterschiedliche Kamera-Streams integriert. Letztere werden durch eine aufwändige Produktion vor Ort auf der Rennstrecke zur Verfügung gestellt.
Die interaktive Formel 1 verspricht TV-Motorsport ohne Bremse. Denn im Vergleich zum Status-Quo der Rennberichterstattung muss der Motorsport-Fan mit der Interaktiven Formel 1 nicht mehr fürchten, durch Werbeblöcke oder Einheitsberichterstattung etwas zu verpassen. Szenen seiner Favoriten kann er jederzeit wiederholen oder aus Perspektiven mit ungesehener Intensität nacherleben. Hintergrund-Infos ruft er zwischendurch ein - sobald seine individuelle Spannungskurve sinkt und es gerade passt.
Klaus Greiber, Projektmanager für den Telekom Interactive TV Award, schätzt an seiner Aufgabe die Abwechslung und die strategische Komponente. Er organisiert und steuert den Wettbewerb. In seinem Twitter-Account outet er sich außerdem als sportbegeisterter Fan österreichischer Motorräder und des Kölner Karnevals.
Zugeschaltet / Fernbedienungen gehören nicht zu den schicken und smarten Teilen an einem Fernseher. IPTV verdient Besseres, meint Gastautor und Mediaroom-Experte Roger Pitton von Microsoft. Das hauseigene Kinect, natürlich - oder zur Abwechslung ruhig auch mal ein Zauberstab.
> ENGLISH
Wer kennt das Problem nicht? Fernseher, Set-Top-Box und dazu noch das Home Cinema - alles, damit ich mich zurücklehnen kann, um TV zu geniessen. Kein Genuss ist allerdings nach wie vor, dass ich dazu auch gleich 3 verschiedene Fernbedienungen brauche.
Werden wir vor der Glotze bald alle Harry Potter?
Als Projektleiter für Microsoft Mediaroom in der Schweiz beschäftige ich mich seit 8 Jahren mit der nächsten Generation von TV. Als Teil des Teams, das die Fernbedienung für IPTV mitgestaltet hat, interessiert mich das Thema seit langem, und ich frage mich: Gibt es keine besseren Möglichkeiten, sein Fernsehen zu bedienen?
In meinem privaten Wohnzimmer habe ich versucht, das Thema mittels einer Universal-Fernbedienung in den Griff zu bekommen. Das Schmuckstück hatte ich zu einem stolzen Preis erstanden, aber es dauerte einige Stunden, bis alles akzeptabel funktionierte. Nicht zu vergessen: es kommt dann noch die Lernphase der Nutzer hinzu, das heißt jedes einzelnen Familienmitglieds. Kompliziert wird es auch, wenn ab und zu dann doch mal eine der Original-Fernbedienungen genutzt wird.
Bei uns hat nach einer Anlaufphase schlussendlich alles zur Zufriedenheit der ganzen Familie geklappt. Zweifel bleiben: Kann man Fernsehnutzern wirklich einen solch aufwendigen Lernprozess zumuten? Ich glaube nicht.
Komplexität reduzieren ist der Weg, den andere Ansätze gehen. Zum Beispiel nur eine einzige Fernbedienung mit lediglich 5 Elementen (Hoch/Runter, Links/Rechts & OK) oder mit Touchscreen wie bei einem Smartphone. Aber solche Modelle beschränken die Nutzungsmöglichkeiten meiner Ansicht nach zu sehr oder sind zu kostspielig. Denn ohne Zahlen geht im deutschsprachigen Raum nicht viel - man denke allein an die Nutzung von Teletext oder Videotext.
Einer der kuriosesten Ansätze, der mir begegnet ist, ist ein Zauberstab von Kymera Magic, der alle Geräte bedienen kann. Im Stile Harry Potters ist es möglich, den Fernseher einzuschalten, Sender zu wechseln, alles mit einer lockeren Handbewegung. Selber habe ich das nie versucht, aber als Interaktionsmedium finde ich den Zauberstab wirklich interessant.
Noch weiter gehen Microsoft, Sony und Nintendos Wii mit ihren bewegungssensitiven Möglichkeiten, das Geschehen auf dem TV-Gerät zu beeinflussen. Für sehr interaktive Anwendungen wie Spiele macht das viel Sinn und erschliesst neue Märkte für diese Firmen sowie neue Unterhaltungsformen für uns alle.
Wie sieht es mit der Übertragung solcher Konzepte auf den Fernseher aus? Wird dadurch eine neue Interaktion mit Inhalten möglich? Ich bin sicher, das lässt sich technisch realisieren, aber solche Systeme müssen wirklich ausgereift sein. Man möchte ja nicht, dass der Kanal wechselt, nur weil der Hund mit dem Schwanz wedelt.
Microsofts Ansatz mit Kinect hat einige sehr interessante Funktionen. Neben der Bewegungssteuerung ist hier auch die Steuerung durch Sprache möglich. Wie das funktioniert, sieht man ganz gut bei dieser Demo mit der Xbox 360:
Mit Händen und Füßen - aber auch auf Worte muss man bei Kinect nicht verzichten. Am besten vorspulen auf Zähler 1:10.
Am Anfang der Sequenz hat man auch gesehen, dass die Kamera erkennt, wer vor dem Fernseher sitzt. Für mich und meine Familie heißt das: Bin ich alleine, schaue ich meine Lieblingssender und -aufnahmen. Kommt aber meine Tochter dazu, passt sich das Fernsehprogramm von selber an.
Außerdem kann das Kinoprogramm mit Kinect plötzlich ganz schön interaktiv sein - hier mein Lieblingsvideo dazu:
Fernsehen ohne Fernbedienung: Ungeahnte Interaktivität fürs Kinderprogramm.
Vieles, was denkbar ist, ist noch Zukunftsmusik, aber ich bin jetzt schon überzeugt, der Umgang mit elektronischen Unterhaltungsmedien wird sich bedeutend verändern. In welche Richtung - was meint ihr?
Roger Pittons Fernseher -
- bleibt typischerweise unter der Kontrolle der 3 Frauen im Hause. Seit über 8 Jahren beschäftigt er sich mit IPTV in der Schweiz und war von der Geburtsstunde an dabei. Ihn faszinieren die Möglichkeiten des neuen Fernsehens, und wie sich seine Nutzung zu unser aller Vorteil ändert. Wenn er die Fernbedienung in die Hände bekommt, konsumiert er TV praktisch nur noch am Videorekorder.
Remote controls are not the most attractive and smart parts of a television. IPTV deserves better, according to guest author and Mediaroom expert Roger Pitton from Microsoft. Naturally he recommends his company´s new Kinect product - or maybe you´d prefer a magic wand?
> DEUTSCH
Is there anyone who hasn´t experienced the problem? Television, set-top box plus home cinema - everything I could want to relax and enjoy an evening in front of the TV. However, there´s not much pleasure in still having to use three different remote controls.
Are we all going to become Harry Potter as we sit in front of the TV?
As the project manager for Microsoft Mediaroom in Switzerland, I have been working on the next generation of TV for eight years. As part of the team that designed the remote control for IPTV, I have long been interested in the topic and wonder: Isn´t there a better way to operate your television?
In my own living room I have tried to get a handle on the issue by using a universal remote. This pretty toy cost a pretty penny, but it took a few hours before I got everything working acceptably. Don’t forget: this is followed by the learning phase, which means that each member of the family has to work out the functions. Things also get complicated if one of the original remote controls is used occasionally.
In our case, after an initial phase everything finally worked to the satisfaction of the whole family after a startup phase. However doubts remain: Can we really expect television users to accept such a complicated learning process? I don´t think so.
The approach taken by others is to reduce complexity. For example, just one remote control with no more than five elements (up/down, left/right and OK) or with a touchscreen, like a smart phone. But I feel that models like this restrict your options too much or are simply too expensive. After all, you won´t get far without numbers in German-speaking countries - I´m thinking of how you would use Teletext or Videotext.
One of the most curious solutions I have come across is the magic wand from Kymera Magic, which can operate all the devices. Like Harry Potter you can switch on the TV and change channels with a simple flick of the wrist. I haven´t tried it for myself, but I think the wand is a really interesting solution as an interaction medium.
Microsoft, Sony and Nintendo´s Wii take things even further with their motion-sensitive options for controlling the TV. This makes a lot of sense for very interactive applications like games and opens up new markets for these companies and new forms of entertainment for us all.
How do things look regarding the transfer of such concepts to the television? Will this facilitate a new interaction with content? I´m sure that this can be achieved in technical terms, but such systems really need to mature. You don´t want the channel to change just because the dog wags its tail.
Microsoft´s approach with Kinect has a number of interesting functions. As well as the motion control option, a voice control feature is also available. The following demonstration with the Xbox 360 shows how this works:
You can use your hands and feet - but words still have their place with Kinect.
At the beginning of the sequence we saw how the camera identifies who is stilling in front of the television. For me and my family this means: I am sitting by myself watching my favorite channel and recordings. However if my daughter joins me, the TV guide will change automatically.
In addition, the movies guide suddenly becomes very interactive when you use Kinect - here is my favorite video about this:
TV without remote control: unexpected interactivity for children´s programs.
A lot of concepts are still something for the future, but I am convinced that the way we manage electronic entertainment media is going to change significantly. But in what direction - what do you think?
Roger Pitton´s TV -
- is usually controlled by the three women in the house. He has been working on IPTV in Switzerland for over eight years and was there right from the start. He is fascinated by the opportunities offered by the new TV and how it can benefit us all. When he gets his hands on the remote control he mostly only watches programs on the video recorder.
O-Ton / Was macht eine Anwendung aus, die wir bequem und gerne bedienen? Produktmanager und Usability-Spezialist Artur Witt gibt im Interview Einblicke, wie man interaktives Fernsehen auf Zuschauerbedürfnisse abstimmt, und erzählt von seinem benutzerfreundlichsten Erlebnis.
“Fernsehen, wie wir leben” - Was heißt das für jemanden, der Fernsehen bedienerfreundlich macht?
Artur Witt: Für mich heißt das, die Bedienung über den Bildschirm grafisch so zu gestalten, dass einfach jeder damit klarkommt. Ein Kind von sechs Jahren muss ebenso erfassen können, was es tun muss, wie seine Großeltern jenseits der Fünfzig. Die Bedienung muss intuitiv sein und schnell zu erlernen. Wichtig ist auch, die Bedürfnisse der Nutzergruppe zu kennen. Wenn wir sinnvolle Funktionen anbieten können, die diese Bedürfnisse abdecken, haben wir “Usability” mit einem echten Mehrwert.
Die Bedienung eines Fernsehers sollte intuitiv und schnell zu erlernen sein. (Foto: iStockphoto/Thinkstock)
Welche sinnvolle Funktion meinen Sie zum Beispiel?
Artur Witt: Stellen Sie sich die typische Situation vor, wenn sie sich mit Freunden treffen - da erzählen Ihre Freunde begeistert von einer Serie, die Sie noch nicht kennen. Von den interessanten Sendungen erfährt man jedenfalls immer gerade dann, wenn der Videorekorder gerade nicht zur Hand ist. Mit der Programm-Manager-App fürs Smartphones können Sie sofort reagieren: sich über das Programm informieren und die Aufnahme einstellen. So planen Sie den Fernsehabend schon unterwegs.
Was gehört noch dazu?
Artur Witt: Ich beschäftige mich hauptsächlich mit dem Kernprodukt Entertain. An dessen Entwicklung im Produktmanagement der Telekom bin ich als Informationsarchitekt beteiligt. Dazu kommt die Bedienerfreundlichkeit von neuen TV-Anwendungen innerhalb unseres IPTV-Angebots, wie die interaktive LIGA total!
Wenn Sie auf die Menü-Taste der Fernbedienung drücken, erscheint das Entertain-Menü, also die grafische Nutzeroberfläche, die ich mit neuen Funktionen erweitere und pflege. Vereinfacht gesagt, bin ich es, der sich Gedanken macht, wie die Knöpfe heißen oder was genau in den Hinweisen steht.
Außerdem entwerfe ich kleinere Prototypen von Fernseh-Anwendungen wie der LIGA total! Bei der Entwicklung von neuen Fernseh-Anwendungen arbeiten wir nach dem Vier-Augen-Prinzip und beziehen ein externes Usability-Institut ein.
Was muss erfüllt sein, damit der Zuschauer am Ende sagt: Tolle Anwendung - die nutze ich gerne!
Artur Witt: Meistens sagt er nur etwas, wenn es nicht so funktioniert, wie er es erwartet. Der Nutzer setzt einfach voraus, dass Entertain leicht zu bedienen ist. Daher geht es um das Gesamtpaket.
Das startet bei der Hardware wie Fernbedienung und Media Receiver. Es geht weiter mit der TV-Anwendung selbst und bis zur Bedienungsanleitung. Auf dem Bildschirm müssen wir mit den richtigen Schriftgrößen, Kontrasten und Farben arbeiten. Bedienelemente darf es nur in Bereichen ohne Text-Einblendungen geben - Stichwort Title-Safe Zones oder Action-Safe Zones.
Und wir müssen natürlich etwas über die Menschen wissen, die das Produkt letztendlich kaufen und nutzen. Welche Bedürfnisse haben sie? Es wäre zum Beispiel schlecht, die grundsätzliche passive Haltung am Fernseher zu ignorieren. Fernsehschauen ist nach wie vor eine Lean-Back-Situation im Gegensatz zur Lean-Forward-Situation im Web.
“Leanback” - vor dem Fernseher lassen wir uns gerne einfach berieseln. (Foto: Hemera/Thinkstock)
Woher wissen Sie, was bedienerfreundlich ist?
Artur Witt: Die DIN-Norm EN ISO 9241 definiert die Gebrauchstauglichkeit und Bedienerfreundlichkeit. Anhand dieser Kriterien werden alle Fernseh-Anwendungen von Entertain getestet und entsprechend geändert, bevor wir sie für die Kunden starten.
Welche Trends prägen Ihre Arbeit zurzeit besonders stark?
Artur Witt: Dreidimensionales Fernsehen ist ein großes Thema. Aber auch Google TV oder neue Fernbedienungen und Eingabegeräte fürs Fernsehen. Meine Kollegen und ich forschen und betreiben Recherchen, um unsere Arbeit auf dem neusten Stand zu halten. Besonders spannend fand ich die Beteiligung an einem Forschungsprojekt für multimodale Fernbedienungskonzepte der Zukunft. Stellen Sie sich vor, dass Sie zukünftig über Gesten- und Sprachsteuerung Ihr Fernsehgerät bedienen können. Wir arbeiten ständig an neuen und spannenden Konzepten, die den Umgang mit dem Fernseher leichter machen und im Stillen revolutionieren, ohne dass Zuschauer ihr Fernsehverhalten grundsätzlich ändern müssen.
Was ist ihre persönliche Top-Anwendung, die Fernseh-Zuschauer in zwei Jahren nutzen können sollten?
Artur Witt: Ich könnte mir vorstellen, dass wir mit IPTV zum Beispiel den Stromverbrauch im Haus überwachen, die Heizung regeln oder generell elektrische Geräte im Haushalt steuern.
Was ist das Bedienerfreundlichste was Ihnen je untergekommen ist?
Artur Witt: Der Umtausch meines Laptops. Kurzer Anruf, dann wurde er bei mir zu Hause abgeholt und zwei Wochen später repariert geliefert. Das war einfach und schnell.
Vielen Dank!
Artur Witt …
… ist 32 Jahre alt und arbeitet seit 2008 bei der Deutschen Telekom im Produktmanagment IPTV. Nach erfolgreicher Diplomprüfung als Media System Designer an der Hochschule Darmstadt stieß er dort zum Team User Experience (UX).
Zugeschaltet / Das Leben gibt der Technologie seinen ganz eigenen Takt vor. Unser Gastautor Bertram Gugel sieht das an der Zuschauer-Wanderung - weg vom Fernsehen, hin zu Online-Videos. Seine Sicht auf unser Wettbewerbsmotto “Fernsehen, wie wir leben” ist geprägt durch seine jahrelange Beschäftigung mit der Entwicklung des Fernsehens - dokumentiert in seinem Blog “Digitaler Film”. Seit 2009 arbeitet Bertram Gugel für das IPTV-Design bei der Deutschen Telekom.
> ENGLISH
Am 1. August 1981 ging MTV mit Video Killed the Radio Star auf Sendung. Seitdem hat MTV eine Achterbahnfahrt hinter sich. Dem Aufstieg des Musikfernsehens bis 2000 folgte in den letzten Jahren der Fall. Am jetzigen MTV Programmschema kann man den Wandel leicht ablesen - Musikvideos muss man dort lange suchen. Den neusten Tiefpunkt markierte die Weigerung von Vevo und Universal Music MTV.com Musikvideos zur Verfügung zu stellen. Musikfernsehen hat sich dank Vevo und YouTube vom Fernseher ins Netz verlagert und dort ist MTV nicht mehr erste Wahl.
MTV steht damit exemplarisch für einen Trend den wir in den nächsten Jahren verstärkt beobachten werden: TV (Bündelung) wird an Bedeutung verlieren und Videos (Einzelinhalte) werden an Bedeutung gewinnen. Ich werde versuchen einige Gründe für diesen Trend darzustellen und Implikationen aufzuzeigen.
Betrachtet man den Fernsehgeräte Markt zeichnen sich zwei große Entwicklungen ab:
Kombiniert man diese beiden Trends kann man die Parallele zum Handymarkt ziehen. Auch dort wurde durch neue Geräte plötzlich das Internet attraktiv, was großen Einfluss auf die Handynutzung insgesamt hatte. Plötzlich ist das Telefonieren nicht mehr das wichtigste Feature sondern nur noch eines von vielen. Gleichzeitig ist z.B. die Videonutzung auf dem Handy rapide angestiegen. Ähnliches steht dem Fernsehen bevor:
Neben der neuen Konkurrenz durch das Internet auf demselben Screen sieht sich das Fernsehen einem massiven Unbundling durch das Internet ausgesetzt. TV ist ein Bündel aus Programmen, das die Auswahl und die zeitlichen Abfolge der Programme dem Konsumenten vorgibt. Diese Logik durchbrechen immer mehr User indem sie sich gezielt einzelne TV-Inhalte über das Internet ansehen. 33% der Amerikaner (59 Mio. Menschen!) schauen schon TV Serien im Netz insgesamt verschiebt sich die Videonutzung von User Generated Content hin zu TV-Inhalten.
Ein Trend den RTL und ProSieben mit ihrem angekündigten Joint Venture (ein europäisches Hulu?) aufgreifen und forcieren werden. Anbieter wie Netflix und Hulu aber auch kommende Startups werden ebenfalls diese Over the Top Chance nutzen und zu neuen Multichannel Video Programming Distributors mit globaler Reichweite und tiefen Taschen werden ohne dafür einen Anschluss oder einen TV-Kanal zu benötigen.
Während das Fernsehen als Institution an Bedeutung verlieren wird werden die Fernsehinhalte in Form von Videos deutlich an Bedeutung gewinnen. Die Nachfrage nach diesen Inhalten steigt stetig - allein im letzten Jahr hat sich die online Sehdauer verdoppelt.
Zur Nachfrage der Konsumenten kommt die Nachfrage von Plattformbetreibern und Consumer Electronics Herstellern. Beide benötigen (gute) Inhalte um sich zu differenzieren. Je mehr und einfacher Videos on demand auf den jeweiligen Geräten und Plattformen konsumiert werden können umso attraktiver werden sie für den Konsumenten. Wie weit diese Entwicklung gehen kann zeigt Seagate, die in Zukunft Festplatten nicht mehr leer sondern gefüllt mit Filmen ausliefern werden.
Aus dem Bedeutungsverlust des Fernsehens und der wachsenden Bedeutung von Videos ergebnen sich meiner Ansicht nach drei Chancen.
Erstens können Dienste und Services den Fernseher als weitere Plattform mit eigenen Applikationen besetzen. Casual Games, Informationsdienste und TV-Widgets sind nur drei mögliche Typen von Applikationen, die dem Fernsehen den großen Screen im Wohnzimmer streitig machen könnten.
Zweitens profitieren Online Video Plattformen, wie Brightcove, Ooyala und thePlatform von dieser Entwicklung, denn das Verfügbarmachen von Videos on demand auf verschiedenen Plattformen, Diensten und Geräten will gemanaged werden.
Drittens profitieren Content Produzenten von der gesteigerten Nachfrage für ihre Inhalte. Auch wenn das Fernsehen perspektivisch an Bedeutung verliert, werden sie in Summe besser dastehen als zuvor. Die Herausforderung ist durch geschickte Verhandlungen auf allen Plattformen und Geräten präsent zu sein und davon monetär zu profitieren.
Über den Autor
Bertram Gugel ist Junior Manager IPTV Design bei der Telekom. Zuvor hat er als Produktmanager bei Axel Springer Digital TV ein neues Videomanagement-System für den Konzern implementiert. Seit 2005 schreibt er in seinem Blog “Digitaler Film” über die Konvergenz des Fernsehens und des Internets, die verschiedenen Videoangebote im Netz sowie Trends und Entwicklungen in diesem Feld. Als Berater hat er Distributionsstrategien und Featuresets für verschiedene Internet Video Firmen entwickelt. Bertram Gugel hat Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig studiert.